Heavy Metal Reviews

Location: Wembley Arena, London

e-Trado GmbH

You Me At Six

mit Deaf Havana und We Are The Ocean

Heavy Metal Reviews

(8. Dezember 2012) Unter dem Banner „Final Night Of Sin“ wollen die Briten von YOU ME AT SIX den Tourzyklus zu ihrem dritten Album Sinners Never Sleep abschließen. Das Album wurde erst im Oktober im UK mit Gold ausgezeichnet. Es scheint also eine gute Zeit für die Band zu sein. Dieses letzte Konzert soll alles andere als eine gewöhnliche Show der fünf Früh-Zwanziger sein. Man will nicht nur die erste DVD in der Bandgeschichte aufzeichnen, sondern will dazu noch in der Wembley Arena in London spielen. Die 12.500 Menschen fassende Halle ist wesentlich größer als die normalen Hallen in denen die Band sonst spielt. Wo man in London sonst in der Brixton Academy vor gut 5000 Fans spielt, sollen an diesem besonderen Abend anderthalb Mal so viele Leute das Konzert besuchen. Natürlich gab es im Vorfeld viele, die dies anzweifelten. Doch wenige Wochen vor der Show war die Wembley Arena ausverkauft und auch die letzten Tickets, die portioniert noch an die Fans verkauft wurden sind Tage vor der Show weg. Das Konzert ist also absolut ausverkauft.
Bevor YOU ME AT SIX ihre größte Headlinershow ever spielen sind erst einmal die befreundeten WE ARE THE OCEAN an der Reihe. Dieses Jahr erschien ihr drittes Album Maybe Today, Maybe Tomorrow, welches gleichzeitig das erste Werk ohne Dan Brown darstellt, der zuvor für die geschrienen Vocals zuständig war, welche von Album zu Album weniger wurden. Songs von der selbstbetitelten EP oder dem Debüt Cutting Our Teeth tauchen gar nicht in der Setlist auf, man beschränkt sich nur auf die letzten beiden Alben, welche wesentlich mehr in Richtung Alternative Rock schielen als nach Post-Hardcore zu klingen. WE ARE THE OCEAN scheinen gut bei dem zum Großteil weiblich und minderjährigen Publikum anzukommen und niemand vermisst die kantigeren Tracks von den ersten Veröffentlichungen wenn man dafür klasse Rocknummern wie Bleed, What It Feels Like oder The Waiting Room auf die Ohren bekommt.
Noch überraschter bin ich bei dem einsetzten Kreischen als DEAF HAVANA die Bühne der Wembley Arena entern. Das Quartett, welches live zu einem Sextett erweitert wird, ist bei uns in Deutschland noch eine er sehr kleine Nummern, in London hingegen kommt im ersten Drittel der Halle ordentlich Bewegung auf. Auch auf den Rängen stehen die ersten Mädels auf und tanzen zu Nummern wie I Will Try oder The Past Six Years, welches heute in einer rockigeren Version präsentiert wird als auf dem aktuellen Album Fools And Worthless Liars, von welchem sechs der sieben dargebotenen Songs des Sets stammen. Die Alternative Rocker geben sich richtig mühe bei ihrer Show und gewinnen nicht nur die Herzen ihrer Fans, sondern mit Sicherheit auch den ein oder anderen neuen Fan.
Nach einer etwas längeren Umbaupause geht dann endlich das Hallenlicht aus und die Mädchen in allen Ecken der Arena fangen an zu kreischen. Kurz meint man, man sei eher auf einem Konzert von der neusten Britischen Boygroup-Sensation ONE DIRECTION als auf einer Rockshow. Doch als dann der Vorhang fällt und YOU ME AT SIX mit The Swarm ihr Set beginnen gibt es kein Halten mehr. Der Track ist durch seinen stetig steigenden Aufbau genau das richtige um eine Arenashow wie diese zu beginnen.
Als ich die Jungs um Sänger Josh Franceschi das erste Mal im Januar 2009 in Köln gesehen habe, waren vielleicht gerade einmal 150 Leute anwesend, letztes Jahr im Dezember waren es vielleicht 400 Fans in Köln. Die Truppe jetzt hier in London vor 12.500 Menschen zu sehen ist schon eine tolle Sache. Zudem haben die Fünf es auch drauf das Publikum zu unterhalten. Sei es das Spiel mit der Masse oder die Bühnenshow. Da schießen Flammenfontänen empor, es gibt eine gewaltige Lichtshow oder Pyroeffekte. YOU ME AT SIX haben an nichts gespart und machen nicht gerade weniger Show als Giganten wie METALLICA, die die letzten Male sogar eher weniger Elemente dabei hatten als die Pop Punker heute.
Die Setlist ist ebenfalls sehr gut und bietet sogar wie ein oder andere Überraschung wie Nasty Habbits vom Debütalbum Take Off Your Colours oder Crash anstelle von No One Does It Better. Außerdem gibt es wieder viele Songs von früher auf die Ohren wie Finders Keepers, Kiss And Tell oder Save It For The Bedroom. Der Großteil der Setlist ist aber von den beiden letzten Alben Hold Me Down und Sinners Never Sleep. Egal, was die Band spielt, die Fans rasten kollektiv aus. Da kann Reckless gespielt werden, die herzergreifende Ballade Fireworks oder Little Death, jeder Song wird gefeiert und lautstark mitgesungen. Sogar das sehr atmosphärische When We Were Younger wird zum ersten Mal live gespielt, bevor die Band die Bühne ein erstes Mal verlässt.

Heavy Metal Reviews - You Me At Six mit Deaf Havana und We Are The Ocean - Wembley Arena London


Stay With Me eröffnet die Zugaben

Auch hier singt das Teeniepublikum fast lauter als die Musik aus den Boxen schallt. Mit Bite My Tongue geht es dann wieder etwas heftiger zu Gange. Viele haben erwartet, dass BRING ME THE HORIZON-Sänger Oliver Sykes heute seinen Gesangsteil im Mittelteil übernimmt, allerdings bleibt diese Vermutung nur ein Gerücht. Franceschi selber übernimmt das Gebrüll und klingt dabei erstaunlich gut. Der 22 jährige hat ordentlich an seiner Stimme gearbeitet, so gut habe ich ihn noch nie erlebt. Als 20. und letzten Song des Abends gibt es dann Underdog. Ein letztes Mal geben Band und Publikum Gas. Besonders genial ist der lautstarke Ausruf „Underdog“ vom Publikum vor dem letzten Refrain zu dem dann noch Konfetti von der Bühne und vom Mischpult in die Halle geschossen werden bevor die Band sich nach knapp 110 Minuten feinster Unterhaltung verabschiedet und sich 2013 mit einem neuen Album zurück melden wird.

Dies war mit Abstand das YOU ME AT SIX-Konzert und auch eines der zwei, drei besten Konzerte des Jahres, die ich gesehen habe.

Text © by Sebastian Berning