Heavy Metal Reviews

Location: Stadtsaal, Wetter an der Ruhr

e-Trado GmbH

Shout It Out Loud Festival 2012

Heavy Metal Reviews

(13. Oktober 2012) Das Shout It Out Loud Festival geht am 13. Oktober 2012 in die bereits dritte Runde. Schon im Vorfeld des Glam Metal- und Sleaze-Highlights 2012 gab es einige Komplikationen So wurde der Veranstaltungsort von der RWE Halle in Mülheim in den Stadtsaal nach Wetter verlegt, weil man erfahrungsgemäß die große RWE Halle nicht voll bekommen würde. Dafür kann das Line-Up der dritten Auflage total überzeugen. Größen wie Stephen Pearcy und Mike Tramp performen Songs ihrer großen Glam Metal-Bands RATT bzw. WHITE LION. Mit den TIGERTAILZ, BANG TANGO und den Dänen von FATE hat man waschechte 80er Perlen dabei und durch CRASHDIET und die CRAZY LIXX ist auch die moderne Schwedenfraktion vertreten. Der Stadtsaal in Wetter ist nicht viel größer als ein x-beliebiges Jugendzentum. Im Eingangsbereich tummelt sich der Merch-Tisch, ein CD-Händler und der Zugang zu den Toiletten. In der Konzerthalle selber kann man im hinteren Bereich CDs und T-Shirts kaufen. Der Raum links neben der Bühne versprüht absolutes Kneipenflair und sieht genauso aus wie man sich trostlose Kneipen vorstellt, die seit 1975 nicht mehr groß renoviert wurden. Da ist auch der VIP-Bereich, schön von einem Band abgetrennt, welches eh keinen zu interessieren scheint. Unter anderem dafür hat man dann sportliche 50 Euro mehr ausgegeben. Aber immerhin ist dies die einzige wirkliche Sitzmöglichkeit auf einem Festival welches von Mittags bis Mitternacht geht. Man hätte sicherlich irgendwo Stühle hinstellen können. Verbessert haben die Organisatoren des Festivals aber den lästigen Becherpfand. Diesen haben sie komplett abgeschafft und damit die Halle nicht voller Müll ist (denn Mülltonnen/Beutel sind auch ein seltenes Gut) rennen ein paar Mitarbeiter rum und sammeln den Müll auf, der sich auf dem Boden ansammelt.
Die erste Band, die ich mir heute ansehe sind die Schweden von CRAZY LIXX. Das aktuelle Album Riot Avenue konnte mich ziemlich begeistern und so freut es mich, dass das Quintett mit dem Opener Whisky Tango Foxtrot ihr 40 Minuten langes Set beginnt. Hauptaugenmerk der Setlist liegt klar auf dem neuen Album und dem Debüt Loud Minority. Das zweite Album New Religion ist nur mit ein paar Nummern vertreten. Besonders die Klassiker vom Erstwerk wie Hell Or Highwater, Make Ends Meet oder die Bandhymne Heroes Are Forever. Die Schweden legen einen energiegeladenen Auftritt hin und haben sichtbar Spaß an ihrer Show. Ähnlich geht es dem Mob vor der Bühne, der ordentlich mitsingt.

Direkt danach betritt eine von Europas kultigsten Glam Metal-Truppen die Bühne: TIGERTAILZ aus Wales. Zwar ist man nicht mehr in der Urbesetzung unterwegs sondern präsentiert eine fast komplett ausgetauschte Band bis auf Jay Pepper und Ace Finchum. Jules Millis, der neue Sänger der Gruppe, macht sich aber gut auf der Bühne. Er rockt zu den Songs vom 1987er Debüt Young And Crazy und dem darauffolgenden Erfolgsalbum Bezerk von 1990 ab, als ob er die Songs schon damals eingesungen hätte. Die TIGERTAILZ geben sich sehr publikumsnah und spielen ein schönes Best-of-Set, welches sich sehr auf die ersten beiden Releases fokussiert. Aber auch der ein oder andere neuere Songs taucht auf. Natürlich warten aber alle auf Hits wie Shoot To Kill, Heaven und Lovebomb Baby.
Da die Dänen von FATE dank einer Panne noch nicht eingetroffen sind, zieht WHITE LION-Mastermind MIKE TRAMP sein Set vor. Nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet spiel der man fast ausschließlich Songs der Glam Metal-Helden. Da beginnt er das Set schon ordentlich mit dem WHITE LION-Hit Tell Me und kann so die Meute vor der Bühne ziemlich leicht zufrieden stellen. Der einstige Rockstar gibt auch Songs seiner Zweitband FREAK OF THE NATURE zum Besten, allerdings will das Publikum doch lieber WHITE LION hören. In Form von Gassenhauern wie Little Fighter, Broken Heart, Cry For Freedom und natürlich When The Children Cry kriegen die gut 500 Anwesenden auch genau das, was sie wollen. Im Vergleich zu WINGER-Sänger Kip Winger, der nur ein paar Wochen vorher eine Akustikshow in Köln gespielt hat, zieht TRAMP allerdings den Kürzeren. Hits wie Hungry oder Lonely Nights fehlen einfach um den Gig abzurunden.

Danach treten dann die verspäteten Dänen von FATE auf. Wäre es nach mir gegangen hätten sie auch ganz zu Hause bleiben können. Langweiliger melodischer Hard Rock wie von x anderen Bands schon besser gehört. Diese Meinung scheinen viele zu teilen, denn währen des dänischen Quintetts sind überdurchschnittlich viele Besucher in der Kneipe, am Merchstand oder bei den CD-Verkäufen zu gegen. Auch die Performance von FATE ist nun wirklich nicht mehr als bloßer Durchschnitt und man kann froh sein, wenn sich die Band endlich verabschiedet hat.

Mit BANG TANGO geht es dann ein bisschen besser weiter. Die US-Band hat schon auf ihrem Debütalbum Psycho Cafe Glam Metal mit Funk-Elementen gemixt und so einen ganz eigenen Sound kreiert. Mein bevorzugter ist es zwar nicht, aber immerhin steht hier ein Original der 80er Glam- und Sleaze-Szene auf der Bühne. Das Quartett hat seine besten Zeiten aber schon definitiv hinter sich, optisch sowie musikalisch und was die Popularität angeht. Ihr Sänger versucht sich wie der junge Axl Rose zu bewegen, scheitert aber daran. Stimmlich war er auch mal in besserer Verfassung, aber kann sich immer noch hören lassen. Die Band hingegen hält sich ziemlich zurück und es passiert recht wenig auf der kleinen Bühne des Stadtsaals. Wäre BANG TANGO eine neue und junge Band, würde sicherlich kaum ein Hahn nach krähen.

Im März konnte die Truppe leider nicht auftreten, da Sänger Simon Cruz krank war, aber nun sind CRASHDIET vor Ort und Co-Headliner. Das schwedische Sleaze-Quartett kommt besonders bei den jüngeren Fans (und dort im Besonderen bei den Mädels) gut an. Voller ist die Halle am heutigen Abend nicht einmal beim Headliner. Die vier Rocker spielen sich mit viel Energie durch die Songs ihrer drei Alben. Besonders Cruz wirbelt über die Bühne und animiert das Publikum lauter mitzusingen oder sich zu bewegen. Dabei meistert er alte Songs, die der verstorbene Dave Leppard gesungen hat wie Knokk ‘Em Down, Breakin‘ The Chainz oder Queen Obscene (69 Shots), das von Oliver Twist eingesungene Material des zweiten Albums The Unattractive Revolution, welches in der Setlist allerdings etwas vergessen wird und natürlich die Generation Wild-Songs, die die Band nicht nur stärker zeigten als auf dem Vorgängern sondern die auch von Cruz selber gesungen wurden. Egal ob das energie geladene Rebel, die Hymne Generation Wild oder das melodische Save Her, diese Hits zeigen CRASHDIET von ihrer besten Seite und man kann es mit dem Material vom Debütalbum aufnehmen. Mitten im Set aber kommt ein Arbeiter vom Festival auf die Bühne und sagt, dass alle den Saal verlassen müssen, weil der Feueralarm betätigt wurde. Die Band selber wundert sich warum alle auf einmal gehen und will - ganz die Rock‘n‘Roll Rebellen, die ihr Image suggeriert - , dass das Publikum in der Halle bleibt, was aber nicht geht. Nach nicht einmal 10 Minuten darf man die Halle wieder betreten und wenig später machen auch CRASHDIET mit ihrem Set weiter. Natürlich ist jetzt etwas die Luft raus aus der energie geladenen Show, dennoch schaffen es die Vier auch weiterhin eine astreine Show zu liefern, die zweitbeste des heutigen Tages.

Nach eine recht kurzen Umbaupause betritt dann RATT-Sänger STEPHEN PEARCY die Bühne. Jahre lang waren er oder RATT nicht mehr auf deutschen Bühnen zu erleben. Ob er nicht doch absagt in letzter Minute war auch eine berechtigte Sorge seitens Fans und Veranstalter. Aber nun ist der 53 Jährige hier in Wetter auf der Bühne und beginnt sein Set mit dem Übersong You‘re In Love. Von den ersten Takten an geht einiges im Publikum und es wird getanzt, gesprungen und mitgesungen. Die Backing Band von PEARCY fällt nicht weiter auf, zwar fehlt währen der Soli die Rhythmusgitarre, da der Sänger nur mit einem Gitarristen anreiste, aber letztendlich sind eh alle Augen auf den RATT-Sänger gerichtet und nicht die Band um ihn herum. Hauptaugenmerk liegt auf den ersten beiden Alben seiner Band, Out Of The Cellar und Invasion Of Your Privacy, aber auch Songs der selbstbetitelten EP von 1983 und den drei Nachfolger werden gespielt. Es gibt allerdings nichts vom 99er Album Ratt oder dem aktuellen Output Infestation. Dafür mit Hell Bent For Leather ein JUDAS PRIEST-Cover und einen Song von Pearcy‘s Projekt ARCADE, welches er Ende der 80er ins Leben rief. PEARCY gibt sich ordentlich Mühe und gibt sich sehr publikumsnah. Zwar hat er seine besten Tage hinter sich, aber trotzdem gibt er Vollgas und ist stimmlich noch immer in sehr guter Verfassung und klingt cool und kratzig wie eh und je.

Nach 80 Minuten und dem großen Hit seiner Band, Round And Round, verabschiedet sich der Sänger und verspricht bald wieder zu kommen.
Man kann nur hoffen, dass das Shout It Our Festvial 2013 in eine vierte Runde startet. Immerhin gab es keine Ankündung von Bands, die beim nächsten Mal auftreten sollen (und es erfahrungsgemäß eh nicht tun), einen Flyer oder gar einen Termin an dem die Glam Metal-Party ein weiteres Mal stattfinden soll. Insgesamt war die dritte Auflage trotz verschiedener kleinere Probleme und Umstände eine sehr gelungene Veranstaltung, die allen Anwesenden sehr viel Spaß und Freude bereitet hat. Die, die sich aufregen wird man nächstes Mal sowieso wieder in den ersten Reihen sehen, wie sie ihren 80er Jahre Helden zu jubeln.

Text © by Sebastian Berning