Heavy Metal Reviews

Location: Westfalenhalle, Dortmund

e-Trado GmbH

Aerosmith und Walking Papers

Aerosmith und Walking Papers

(18. Juni 2014) Sieben Jahre ist es her, dass AEROSMITH in Deutschland gespielt hat. Damals hatte das Blues Rock-Coveralbum "Honkin' On Bobo" bereits drei Jahre auf dem Buckel. Seitdem ist musikalisch nicht wirklich viel passiert. Immerhin kam 2012 mit "Music From Another Dimension" endlich ein neues Album von Steven Tyler, Joe Perry und Co raus. Der vollwertige Vorgänger "Just Push Play" hatte da auch schon gut elf Jahre auf dem Buckel. Zwei Jahre nach Veröffentlichung von "Music From Another Dimension" schafft AEROSMITH es endlich wieder durch Europa zu touren. Mit dabei hat man die WALKING PAPERS, die neue Band von ex-GUNS N' ROSES-Bassisten Duff McKagan.
Die Westfalenhalle ist sehr gut gefüllt. Nur ein kleiner Teil im hinteren Hallenviertel ist leer, dafür sind die Sitzplätze der Ränge so gut wie ausverkauft. Sicherlich sind um die 10 bis 11.000 Fans vor Ort. WALKING PAPERS stehen um Punkt 20 Uhr auf der Bühne. Geboten wird eine recht psychedelische Version von Classic Rock, der scheinbar tief in den 70ern bei Bands wie LED ZEPPELIN, BLACK SABBATH und PINK FLOYD verwurzelt ist. Das Quartett um den alten GUNS N' ROSES-Haudegen Duff McKagan liefert allerdings nichts, was einen wirklich vom Hocker haut. McKagan sieht man sich noch an, weil er halt zu den "Appetite For Destruction"-Rabauken um Slash und Axl Rose gehörte, sonst sind die 40 Minuten recht schleppend und unspektakulär.
Nach knapp 40 Minuten Pause gehen endlich die Hallenlichter aus. Man erwartet jetzt zwar, dass AEROSMITH die Bühne betreten wird, doch darf man sich die Rocker erst über den riesigen Bildschirm hinter dem Drumset angucken. Man darf live in den Backstagebereich eintauchen und die letzten Minuten vor der Show ansehen. Dies geht knapp zehn Minuten so weiter, bevor das eigentliche Intro ertönt. Die Band legt mit dem TINY BRADSHAW-Cover 'Train Kept A-Rolling' vom zweiten Album "Get Your Wings" los. Die Stimmung ist direkt sehr gut. Gleiches kann man vom Sound sagen, der in der doch recht großen Halle glasklar aus den Boxen schallt.
Mit 'Eat The Rich' und der fetzigen 80er Rocknummer 'Love In An Elevator' geht es fulminant weiter. Die gesamte Truppe ist gut in Form. Besonders Sänger Steven Tyler überrascht durch seinen guten Gesang. Das hätte ich dem Ü-60er nicht mehr so zugetraut. Auch sein Gitarrist Joe Perry macht eine extrem coole Figur. Mit weit aufgeknöpften rotem Kurzarmhemd stolziert der Gitarrist über die Bühne und wirft sich in jede Pose, die das Buch des Rock'n'Roll zu bieten hat. Bei dem von ihm gesungenen 'Freedom Fighter' ist auch seine gesangliche Leistung nicht von schlechten Eltern. Der Rest der Gruppe bleibt etwas im Hintergrund, macht dabei dennoch einen mehr als soliden Job.
Die Setlist ist ein guter Mix aus vielen, aber leider nicht allen (nicht einmal aus fast allen) Studioalben der Band. Natürlich fehlen ein paar Klassiker wie 'Draw The Line', 'Rag Doll', 'Janie's Got A Gun' (die drei Songs wurden in Berlin übrigens gespielt), 'Rats In The Cellar', 'Back In The Saddle' oder 'Crazy'. Naja, man kann nicht immer alles haben. Auffällig ist aber, dass besonders die Songs der drei Erfolgsalben "Permanent Vacation", "Pump" und "Get A Grip" euphorisch vom Publikum aufgenommen werden. Es ist schon etwas komisch, dass Rockklassiker wie 'Walk This Way' nicht so gut ankommt wie 'Dude (Looks Like A Lady)' - obwohl dies auch meinem Geschmack entspricht.
Als Zugabe gibt es 'Dream On', welches von Steven Tyler am Piano begleitet wird und mit einem von ihm kurz angespielten 'Angel' eingeleitet wird. 'Sweet Emotion' beendet dann das 90 Minuten lange Set von AEROSMITH. Man darf nur hoffen, dass die Rocker noch einmal nach Deutschland kommen werden, denn viele Alben werden sicherlich nicht mehr folgen. Dafür ist die Band zu alt.

Text © by Sebastian Berning