Heavy Metal Reviews

Location: Underground, Köln

e-Trado GmbH

Funeral For A Friend mit The Tidal Sleep und Gnarwolves

Funeral For A Friend mit The Tidal Sleep und Gnarwolves

(23. Oktober 2013) Mit ihrem neuen Album “Conduit“ präsentierte sich FUNERAL FOR A FRIEND von einer komplett neuen Seite. Das einstige Emo/Post-Hardcore-Flaggschiff des UKs knallt nun mit meist unter drei Minuten langen Songs aus den Boxen und mischt dabei US-Pop Punk neuerer Schule, Hardcore und etwas Metal zusammen. FUNERAL FOR A FRIEND sind im Moment so aufregend wie schon lange nicht mehr. Da ist der Besuch der Tour natürlich Pflicht.
Erste Band des Abends, hier im Kölner Underground, ist GNARWOLVES. Die Band aus dem UK spielt einen ähnlichen Stil wie etwa TITLE FIGHT. Punk Rock, 90er Emo und etwas Pop Punk werden zu einem höchst emotionalen, aber dennoch absolut rauem Sound verbunden. Das Trio wirkt dabei recht sympathisch und kann mit netten Ansagen zwischen den Songs punkten. Vor der Bühne passiert nicht wirklich viel, auch wenn zwei oder drei Nasen die Band zu kennen scheinen. Bei aller Sympathie muss man allerdings auch anmerken, dass die Songs nach der knappen halbe Stunde Spielzeit anfangen gleich zu klingen. Noch fehlt der jungen Band etwas, was wirklich heraussticht.
Als nächstes steht die deutsche Truppe THE TIDAL SLEEP auf der Bühne. Bisher konnte sich die Band einen Namen erspielen, weil sie schon mit etablierten Bands wie SILVERSTEIN oder schon einmal mit FUNERAL FOR A FRIEND auf Tour war. Die Gruppe spielt düsteren Hardcore mit vielen Einflüssen aus dem Post-Rock, was die Songs sehr atmosphärisch ausfallen lässt. Die Band, welche nach musterhaften Philosophie-Studenten ausschaut, geht völlig in ihren Songs auf. Da kommt zwar keine wirklich Aggression auf, weder im Publikum noch auf der Bühne, dafür kann man mit THE TIDAL SLEEP eine Gruppe erleben, die ihre Musik ziemlich ernst nimmt.
Dann endlich besteigen die fünf Waliser von FUNERAL FOR A FRIEND die Bühne. Ohne Intro oder sonst irgendein Spektakel stellt sich die Band vor und beginnt ihr Set mit den vier Songs der “Between Order And Model“ EP, welche im November mit neuem Cover und Bonusmaterial neu aufgelegt wird. ’10:45 Amsterdam Conversations‘ ist ein super Start für die Show. Natürlich steigert sich die Euphorie des Publikum als ‘Juneau‘ folgt. Allerdings spielt die Band, die bekannte Version vom Debütalbum “Casually Dressed & Deep In Conversation“ und nicht die etwas härtere Version ‘Juno‘ von der EP. Nachdem ‘Red Is The New Black‘ und ‘The Art of American Football‘ gespielt wurden, folgt ein gemischtes Programm aus den Alben “Casually Dressed & Deep In Conversation“, “Hours“, “Welcome Home Armageddon“ (wenn auch mit ‘Sixteen‘ leider nur ein Songs von dieser Platte gespielt wird) und dem aktuellen Kracher “Conduit“. Die beiden Alternative Rock-Alben “Tales Don‘t Tell Themselves“ und “Memory & Humanity“ werden in der Setlist nicht berücksichtigt. Zwar haben beide Alben gute Songs, hätten aber in den Konzertverlauf nicht ganz so gut herein gepasst, da das Hauptaugenmerk eindeutig auf den härteren Nummern liegt. Egal ob ‘Best Friends and Hospital Beds‘, ‘Nails‘, ‘She Drove Me To Daytime Television‘, ‘All The Rage‘, ‘High Castles‘, ‘Bullet Theory‘ oder die Hymne ‘Escape Artists Never Die‘ - diese Setlist ist vollgepackt mit erstklassigem Material. Einzig ‘Spine‘, ‘The Distance‘ und ‘Frontrow Seats To The End of The World‘ haben mir von den letzten beiden Releases gefehlt.
Die Band um den kleinen Sänger Matt Davies-Kreye ist mittlerweile fast komplett ausgetauscht worden. Nur Leadgitarrist Matthew Evens steht ihm seit Bandgründung zur Seite. Das macht aber nichts, da diese Gruppe zur Zeit ihren zweiten Frühling erlebt. Ich hatte die Jungs zuvor drei Mal live erlebt, doch toppt die heutige Show die vorherigen um Längen. Schlecht war nun wirklich keines der besuchten Konzerte, aber keins war dermaßen voller Energie. Etwas mehr als 70 Minuten gibt FUNERAL FOR A FRIEND Vollgas bevor man sich nach der Zugabe ‘History‘ verabschiedet. Man darf sich schon auf das nächste Mal freuen, wenn die Band in die Gegend kommt.

Text © by Sebastian Berning