Heavy Metal Reviews

Location: Underground, Köln

e-Trado GmbH

Off! Mit Trash Talk und Brat Pack

Heavy Metal Reviews

(10. Juni 2012) BRAT PACK sind die erste Band, die im unerwartet vollen Underground auf die Bühne steigt. Die meisten Anwesenden scheinen die Truppe nicht zu kennen, mir geht es da genauso. Man spielt Punk Rock und erinnert irgendwie an die aktuelle CEREMONY-Platte. Man hat also mehr als drei Akkorde zu bieten und besitzt einen leichten 70er Proto-Punk-Touch. Doch wirklich Stimmung kommt nicht auf. Die Musiker sind zu steif und so will der Funke nicht wirklich auf die Meute vor der kleinen Bühne überspringen. Nach 20 Minuten sieht man das wohl ein und verabschiedet sich. Nach einer halbstündigen Pause betreten dann endlich TRASH TALK die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Amerikaner sind für ihre absolut durchgedrehten, wahnwitzigen, gefährlichen, brutalen und unberechenbaren Liveshows bekannt. Alles kann bei einer TRASH TALK-Show passieren. Das Quintett legt absolut böse mit dem langsamen 'Hash Wednesday' los, welcher sich nur langsam steigert, doch als der Klimax erreicht ist und der Track in purer Wut explodiert, rasten die Kids komplett aus. Ich habe schon unzählige Bands im Underground gesehen, egal ob Pop Punk der Marke MAYDAY PARADE, Hypes wie SUICIDE SILENCE und schwere Geschütze wie etwa PARKWAY DRIVE, HEAVEN SHALL BURN oder BLEEDING THROUGH, doch nie wurde die Location so zerlegt wie bei TRASH TALK. Und von Song zu Songs wird es noch wilder vor und auf der Bühne. So ziemlich die ganze Fläche folgt dem Motto des DIE ATZEN-Songs "Auf der Tanzfläche herrscht Krieg". Man liefert einen guten Schnitt durch die komplette Diskographie. 'Explode', 'Worthless Nights', 'Awake', 'Well of Souls', 'Slander' - alles wird gespielt und bringt die Fans nur noch mehr zum ausrasten. Dabei ist Sänger Lee zwischen den Songs ein recht sympathischer Kerl, der Annekdoten vom gestrigen Fußballspiel oder früheren Kölner Shows zum Besten gibt. Auch die er den Pit ganz mit an die Bar nimmt wirkt so als sei die Band eigentlich ein ganz lustiger Haufen.

Ähnlich wie bei OFF! kein langes Vorgeplänkel

Nach einer halben Stunde ist Schluss. Und ich habe nie etwas übleres gesehen als Trash Talk, den heimlichen Headliner. Denn bei den darauf folgenden OFF! geht zwar auch viel vor der Bühne, doch ist das moshende Publikum doch ein, zwei Semester älter als noch bei TRASH TALK. Klar, Keith Morris, einst Sänger bei BLACK FLAG und den CIRCLE JERKS, führt die Truppe auch an. Das zieht natürlich den ein oder anderen Alt-Punk an. Auch OFF! können von sich behaupten eine gute Show hinzulegen. Zwar kommt man bei weitem nicht an die Intensivität von TRASH TALK herran, doch besonders die Songs vom neuen Album, dem schlicht selbstbetitelten "Off!" können einiges.
Auch OFF! verabschieden sich nach einer halben Stunde. Zu beklagen gibt es nach diesem Abend außer den ewig langen Umbaupausen, die beinahe länger waren als die Sets der Band, nun wirklich nichts. Mehr Hardcre ging an diesem Wochenende wohl nirgends in Köln!

Text © by Sebastian Berning