Heavy Metal Reviews

Location: Underground, Köln

e-Trado GmbH

Your Demise mit Betrayal und Coldburn

Your Demise mit Betrayal und Coldburn

(15. Oktober 2013) Im Vorfeld dieses Konzerts habe ich mir noch einmal die YOUR DEMISE-Alben "Ignorance Never Dies", "The Kids We Used To Be...", "The Golden Age" sowie die aktuelle 7" names "Cold Chillin'". Dass diese Band dermaßen beliebt bei den Kids ist wundert mich mittlerweile. Die beiden EPs vor "Ignorance Never Dies" gehören mit zum stumpfesten was UK-Hardcore zu bieten hat. Das Album selber ist zwar schon wesentlich besser, kann bis auf ein, zwei Highlights aber nicht wirklich überzeugen. Als dann Ed McRae ans Mikro der Band kam, wurde diese auf einmal richtig gut und veröffentlichte 2010 mit "The Kids We Used To Be..." eins der besten modernen Hardcore-Alben, die ich kenne. Hart, prollig, aber dennoch melodisch genug um auch über Genregrenzen hinaus Leute anziehen zu können. Schon der Nachfolger war der Anfang vom Ende: "The Golden Age" hat einen Haufen guter Songs, die mal reiner Pop Punk sind, mal melodischer Hardcore, mal Metalcore. Das Gesamtbild aber war schon zu verwässert, was mir allerdings erst mit einigem Abstand aufgefallen ist. Zur Veröffentlichung von "The Golden Age" habe ich das Werk richtig gerne gehört. Die Shows zu der Platte wurden leider von mal zu mal schwächer. Songs wurden langsamer gespielt, McRae schafft die klaren Vocals live nicht rüber zu bringen und generell scheint die Band gerne mal dicht auf der Bühne zu stehen. Die "Cold Chillin'"-7" bietet auch nur vier ziemlich lauwarme Songs. Über das Ende der Band bin ich also gar nicht mal zu traurig, will mir dennoch einmal eine Show von ihnen ansehen - wenn auch nur in der wagen Hoffnung, dass sie zum Abschied noch einmal Gas geben.
Bevor diese Frage geklärt werden kann, muss ich mir erst einmal COLDBURN antun. Die deutsche Band ist in der Szene im Moment ziemlich beliebt und überall kann man was über die Truppe lesen. Völlig unvoreingenommen überrascht mich der Sound: Wo ich düsteren und melodischen Hardcore erwarte, kriege ich prolligen, wenn auch leist düsteren Hardcore geboten. Wütend ohne Ende und stumpfes Songwriting scheint eher eine Voraussetzung als ein Ergebnis mangelnden Könnens zu sein. Hier und da noch etwas Groove und fertig ist der COLDBURN-Song. Ich muss sagen, dass ich schon schlimmere Support-Acts gesehen habe, denn vor der Bühne geht schon gut was ab. Manche Fans sind textsicher und der erste kleine Pit entsteht. Was den Auftritt aber runter zieht sind die eher zusammenhangslosen Ansagen zwischen den Songs - scheinbar das erste Semester Philosophie studiert.
BETRAYAL folgen auf den Philosophie-Exkurs. Stumpf ist hier ebenfalls scheinbar der Trumpf aller Trümpfe. Auch wenn die Floskel "stumpf ist Trumpf" schon seit Jahren abgenutzt ist, passt sie perfekt auf diese beiden Supportacts. Ich möchte den "Songs" eigentlich gar kein Songwriting mehr attestieren. Breakdown folgt auf Breakdown, dann mal ein schnellerer Part nur um dann in einen noch langsameren Breakdown zu münden. Einfallsloser kann man Hardcore nicht interpretieren. Von daher ist es zumindest mir unerklärlich, warum vor der Bühne wieder massig Bewegung aufkommt. Anscheinend stumpft die Jugend immer weiter ab nach der Einstiegsdroge YOUR DEMISE. Vor Jahren habe ich mal THICK AS BLOOD live erleben dürfen, die eigentlich einen recht ähnlichen Stil fahren. Nur konnte man bei den Kollegen noch von einem halbwegs sinnvollen Song sprechen. Nach 30 Minuten BETRAYAL ist glücklicherweise Schluss.
Nach einer etwas längeren Umbaupause besteigt Headliner YOUR DEMISE die Bühne des Undergrounds. Das Set wird mit 'Karma' von der aktuellen "Cold Chillin'" EP begonnen. Vor der Bühne entsteht sofort ein Hexenkessel, der auf und an hüpft zum recht Nu Metal-lastigen Riff der Strophe. Viel Arbeit muss sich die Band nicht mal machen, da das Publikum ihr eh aus der Hand frisst bei Songs wie 'Forget About Me', 'Born A Snake', 'Push Me Under', 'These Lights' oder älteren Nummern wie dem Klassiker 'Burnt Tongues', 'Miles Away' oder 'Broken Record'.
Schade ist allerdings, dass die Band irgendwie auf Gangster machen möchte. So manch Bewegung erinnert eher an 2Pac und Co. Was prollig und hart wirken soll, wirkt zumindest auf mich etwas gekünstelt. Auch die spontan eingeworfenen Rapeinlagen McRaes hätten nicht sein müssen. Der Mann sollte sich lieber auf das klare Singen konzentrieren. Mehr als zwei, drei Wörter singt er nämlich nie und überlässt den Rest dann dem ziemlich textsicheren Publikum. Nach knapp 50 Minuten ist 'The Kids We Used To Be' der letzte Song, den YOUR DEMISE jemals in Köln spielen werden. Natürlich gibt es nun für das Publikum kein Halten mehr und so stürmen um die 50 Kids die Bühne und versuchen an das Mikro zu kommen. Nach langem Applaus verabschiedet sich die Band und schließt somit das Kapitel YOUR DEMISE für diejenigen, die der Band nicht nachreisen, weil am nächsten Morgen Mathe in der ersten Stunde auf dem Stundenplan steht.
Was ich allerdings zugeben muss ist, dass YOUR DEMISE trotz der ein oder anderen Kleinigkeit wieder eine richtig gute Show hingelegt haben. Die 50 Minuten waren voller Energie und einer Band, die zum Abschied noch einmal richtig Gas gegeben hat. Dennoch war die Trennung die richtige Entscheidung.

Text © by Sebastian Berning