Heavy Metal Reviews

Location: Underground, Köln

e-Trado GmbH

Reckless Love mit Hollywood Burnouts und Rebellious Spirits

Heavy Metal Reviews

(29. Oktober 2012) Nur ein paar Tage vorher fand in Wetter das dritte "Shout It Out Loud"-Festival statt, wo neben RATT-Sänger Stephen Pearcy auch Jungspunde wie CRASHDIET und CRAZY LIXX auftraten. Glam Metal und Sleaze sind also nicht tot und freuen sich über wiedergefundene Beliebtheit. Davon können auch die Finnen RECKLESS LOVE profitieren, deren Sänger Oliver Hermann übrigens das zweite CRASHDIET-Album "The Unattractive Revolution" eingesungen hat. Wo CRASHDIET aber eher rau und dreckig zu Werke gehen, klingen RECKLESS LOVE wesentlich glatter, orientieren sich eher an DEF LEPPARD, POISON und End-80er-MÖTLEY CRÜE als an SKID ROW, RATT und frühe MÖTLEY CRÜE, schaffen es aber gleichzeitig moderne Einflüsse mit einzuflechten. Etwa 160 Leute haben sich im Kölner Underground eingefunden um die finnischen Newcomer (wenn man so will) auf ihrer ersten Deutschland-Show zu sehen.

Erste Bands des Abends wären REBELLIOUS SPIRIT gewesen, von denen ich aber nur noch wenig mitbekomme. Dafür allerdings ein Cover des GUNS N' ROSES-Klassikers 'Paradise City', dass mich nicht all zu sehr überzeugen kann. Die eigenen Songs der Band sind auch nicht wirklich überzeugend. Irgendwo zwischen Hard Rock und frühen Glam Metal der Marke NIGHT RANGR oder VAN HALEN lässt sich der Sound einordnen. Dies scheint auch das Publikum nicht in seinen Bann zu ziehen. Zwar stehen ein paar Leute direkt vor der Bühne, großen Applaus kann man zwischen den Liedern nicht vernehmen.

HOLLYWOOD BURNOUTS können das schon besser. Das Debütalbum "Excess All Areas" fand in der Szene ordentlichen Anklang. Das deutsche Quartett rockt sich ganz gut durch das fast 40 Minütige Set. Dabei wirft man sich gekonnt in jede gängige Pose und zupft sich gerne mal Hemd und Haare zurecht. So muss das sein! Auch die Fans nehmen die HOLLYWOOD BURNOUTS besser auf als die voran gegangene Truppe. Allerdings ist es schwer ein wirkliches Highlight bis auf das kurze Anspielen von 'Pour Some Sugar On Me' von DEF LEPPARD auszumachen. Die Performance ist solide und ähnlich ist es mit den Songs. Der letzte Funke will, zumindest bei mir, nicht überspringen.

Mit dem Titelsong ihrer aktuellen CD "Animal Attraction" starten die vier Kerle von RECKLESS LOVE direkt mehr als ordentlich. Sänger Oliver Hermann gibt sich cool mit Sonnenbrille und geschlossener Lederjacke. Noch bewegt sich der wasserstoffblonde Riese wenig und bleibt eigentlich nur an seinem Mikroständer stehen und bewegt wenn es passt die Arme. Doch beim direkt darauf folgenden 'Speedin'' legt Hermann ohne Sonnenbrille und Lederjacke richtig los und spurtet über die kleine Bühne des Kölner Undergrounds. Spätestens jetzt sind die Fans komplett auf seiner Seite. Besonders die Mädels in den ersten Reihen kommen aus dem Tanzen und mitsingen gar nicht mehr raus. Während Hermann den perfekten Frontmann für diese Art von Musik gibt, stehen seine Musiker eher nur rum und posieren. Dabei ist besonders Drummer Hessu Maxx hört gar nicht mehr auf zu grinsen und seine Drumsticks durch die Finger zu wirbeln. Die Setlist der finnischen Glam Metaller ist ein ziemlich ausbalancierter Mix aus dem selbstbetitelten Debütalbum und dem aktuellen Kracheralbum "Animal Attraction". Hinzu kommt noch das Überbleibsel 'Push', welches nun auf der "Born To Break Your Heart" EP sowie kurze Drum- und Gitarrensoli. Besonders die neuen Songs wie 'On The Radio', 'Born To Break Your Heart', 'Dance','Coconuts' und ganz besonders 'Hot' kommen sehr gut bei den Fans an. Aber auch alte Kracher wie 'Romance', 'Badass' und 'Back To Paradise' werden freudig aufgenommen.
Zwischen den Liedern zeigt sich Hermann als sympathischer Kerl, der sich ziemlich freut, dass so viele Menschen zu seinem Konzert kommen, obwohl man noch nie vorher in Deutschland bzw. Europa unterwegs war. Die Zugabe beginn mit 'Hot', welcher einer der drei besten RECKLESS LOVE-Songs darstellt. Auch hier ist das Publikum trotz der ersten schweißtreibenden 60 Minuten noch voll und ganz bei der Sache. Die vier Jungs genießen es sichtbar, dass ihre Fans sie dermaßen abfeiern. Und wer jetzt noch nicht getanzt hat, der wird es spätestens beim letzten Song 'One More Time' machen. Einen besseren Song hat keine der ganzen jungen Glam- und Sleaze-Truppen vorzuzeigen. Besonders Hermann gibt hier noch mal alles und entledigt sich zur Freude der Damen seines Tanktops. Nach 70 fantastischen Minuten Rock'n'Roll verlässt man allerdings die Bretter und verspricht bald mit einem neuen Album wieder zu kommen.

Text © by Sebastian Berning