Heavy Metal Reviews

Location: Underground II, Köln

e-Trado GmbH

Kip Winger und Florian Hofer

Heavy Metal Reviews

(17. September 2012) Dass WINGER noch einmal nach Europa kommen ist sicherlich eher unwahrscheinlich. Schade, denn einen Song wie'Miles Away' hätte ich gerne einmal live erlebt. Da sehe ich das Tourposter für KIP WINGER, Sänger/Bassist der Gruppe, kommt für einige Akustikshows nach Europe, unter anderem auch nach Köln. Dass das ein Pflichttermin für die Glam-Gemeinde ist, braucht man eigentlich nicht zu erwähnen. Aber zuvor muss man sich FLORIAN HOFER laut Tourposter ergehen lassen. Als ich ankomme steht schon ein Herr mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne und singt deutschsprachige Lieder. Der Mann kann mit Witz und netten Anekdoten überzeugen. Nach zwei Songs ist allerdings dann schon Schluss, dabei ist es doch gerade einhalb 20 nach 8. Wie sich herausstellt war dies schon der zweite Support des heutigen Abends und FLORIAN HOFER kommt erst jetzt. Die beiden geben sich nahezu die Klinke in die Hand. HOFER beginnt direkt danach sein Set. Stimmlich erinnert er etwas an ALICE IN CHAINS-Röhre Layne Stayley. Die Songs bewegen sich im typischen Singer/Songwriter-Metier ohne groß aufzufallen, egal ob positiv oder negativ. Wirklich zu interessieren scheint das Ganze aber niemanden. Außer Beifall ignoriert das Publikum, stolze 45 Mann in etwa, die Aufforderungen HOFERS doch einmal mitzusingen, mit zuklatschen oder näher an die Bühne zu kommen. Sichtlich genervt spielt der Musiker sein Set weiter. Nicht einmal das NEIL DIAMOND-Cover 'Heart of Gold' vermag den körperlich Anwesenden vor der kleinen Bühne der kleineren Halle des Kölner Undergrounds etwas mehr Reaktionen hervorzurufen. Nach eine kurzen Pause von einer viertel Stunde in etwa betritt KIP WINGER die Bühne. Dabei muss er sogar durch den Zuschauerraum in dem sich ungefähr 80 Menschen versammelt haben. Die fetten Jahre sind vorbei, auch für einstige Rockstars. WINGER begrüßt sein Publikum auf Deutsch und scheint sich sichtlich auf die Show zu freuen. Er beginnt mit seinem seiner Solosongs, der noch recht verhalten aufgefasst wird, aber schon der zweite Track ist 'Easy Come, Easy Go' vom WINGER-Erfolgsalbum "In The Heart Of The Young". Von da an gibt es fast nur noch WINGER-Klassiker und kleine Überraschungen wie 'Who's The One' vom 1993er Output "Pull" oder 'Nothing' vom Solowerk "From The Moon To The Sun", welches Kip wohl etwas nervös macht, da er mit dem Text nie zurecht kommt. Zwischen den Songs zeigt sich der kleine Mann mit seiner Gitarre von seiner witzigen und sympathischen Seite. Er erzählt kleine Geschichten, geht auf das Publikum ein oder auf den konsequenten Wunsch eines Gastes nach 'Seventeen' und entgegnet, dass die Dame jetzt etwa 42 sei und ob er sich wirklich so freuen würde dann. Ganz Rockstar lässt sich KIP WINGER aber eine gerissene Saite von zwei Fans wechseln. Präsentiert werden, wie bereits erwähnt, fast ausschließlich WINGER-Songs. Die meisten stammen natürlich von den ersten beiden Alben. Von "Pull" gibt es noch 'Blind Revolution Man'. 'Deal With The Devil' von "Karma" fehlt auch nicht. Aber die Fans vor der Bühne freuen sich natürlich am meisten über Songs wie 'Hungry', 'Headed For A Heartbreak', 'Can't Get Enough' oder 'Rainbow In The Rose'. Eines der Highlights der Show ist 'Miles Away', welchen der Gitarrist mit einem Fan aus dem Publikum performt, welcher zum Glück gut singen kann und die vielleicht beste Glam Metal-Ballade nicht verhunzt.
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Dass er nächste Mal mit WINGER

Gegen Ende gibt KIP WINGER natürlich noch 'Madalaine' und 'Seventeen' zum besten. Bevor er sich mit 'Blue Shade Blues' von "IV" verabschiedet, verspricht er noch, dass er nächste Mal mit WINGER zurück kommen wird. Ob man das noch erleben wird? Zu wünschen wäre es, denn die 80 Minuten, die Kip auf der Bühne alleine mit seiner Gitarre stand waren absolut unterhaltsam und mit Sicherheit eines der Konzerthighlights 2012.

Text © by Sebastian Berning