Heavy Metal Reviews

Location: Stollwerk, Köln

e-Trado GmbH

Brand New

Brand New im Bürgerhaus

(25. April 2014) Einst gehörte BRAND NEW zur Spitze der Emo-Szene des neuen Jahrtausends. "Your Favourite Weapon" war mit seinen Hits wie 'Seventy Times 7' oder 'The Shower Scene' ein Must-Have. Die drei nachfolgenden Alben waren alle wesentlich anspruchsvoller und hatten mit dem ursprünglichen Sound nicht mehr ganz so viel zu tun. Dafür konnte man viele neue Fans gewinnen - und das, obwohl man in Europa so gut wie nie auf Tour war. Das letzte Mal war BRAND NEW 2007 in Deutschland zu sehen. Die Touren danach wurden stets abgesagt. Zum aktuellen Werk "Daisy" spielte die Truppe nur vereinzelte Gigs in Europa, da war eine richtige Rundreise mehr als nötig.

Nach der letztjährigen Absage habe ich eigentlich auch dieses Jahr nicht wirklich damit gerechnet, BRAND NEW live zu erleben. Doch tatsächlich! Zwar habe ich die Vorband THE FRONT BOTTOMS fast komplett verpasst, doch wartet der Großteil der gut 800 Leute eh nur auf Jesse Lacey und seine Mitstreiter. Diese betreten die Bühne ohne viel Schnickschnack und eröffnen das Set mit einer PINK FLOYD-mäßigen Rückkopplungsorgie, bevor man mit 'Vices' den ersten Song zum Besten gibt. Auch wenn "Daisy" nicht das beliebteste Album unter den Fans ist, kommen die Nummern doch erstaunlich gut an.

Das Set ist scheinbar in Alben-Blöcke unterteilt. Erst wird ausschließlich "Daisy"-Material geboten, bei welchem besonders 'You Stole' hervorsticht, dann Lieder vom Gold-verzierten "Deja Entendu" (inklusive dem "Your Favourite Weapon"-Einsprengsel 'Seventy Times 7') und zum Abschluss gibt es Einiges vom depressiven Meisterwerk "The Devil And God Are Raging Inside of Me". Besonders 'Jesus Christ', 'Degausser' und 'Limousine' sorgen für Gänsehaut.

Jessey Lacey unterbricht nur selten zwischen den Liedern für ein paar kurze Ansprachen. Irgendwie wirkt der Sänger und Gitarrist sogar etwas publikumsscheu. Seine Band rockt bei den live um einiges mehr krachenden Songs ordentlich ab und wirkt dadurch wesentlich präsenter als Lacey. Dieser Eindruck wird noch durch die Lichtshow verstärkt, die den Sänger hinter gleißendem Licht nahezu verschwinden lässt. Dafür ist das Leid in seiner Stimme umso präsenter. In manch ruhiger Passage legt er sich dermaßen ins Zeug, dass er das Timing nicht halten kann und etwas versetzt vom Publikum singt. Macht nichts, da seine Leistung so umso authentischer wirkt.

Normalerweise bin ich kein Freund von Konzerten mit Überlänge, doch diese knapp 100 Minuten von BRAND NEW sind erstklassig! Gerne hätte ich noch zwei bis fünf Songs mehr gehört. Auch, weil das Debüt etwas zu kurz kam, das hingegen ist Meckern auf allerhöchstem Niveau. Hoffentlich braucht die Truppe nicht wieder so lange, um den Weg nach Europa zu finden.

Text © by Sebastian Berning