Heavy Metal Reviews

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Ghost

Ghost

(24. November 2013) Mit Sicherheit ist GHOST einer der größten Überraschungserfolge des Jahres. Die Band um Papa Emeritus II ist ein Spektakel. Egal ob es sich um die aufwendigen Liveshows handelt, die Kostüme, die Musik oder die wahren Identitäten der Musiker. Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass Metalgrößen wie IRON MAIDEN, METALLICA, IN FLAMES oder AVENGED SEVENFOLD die Schweden schon als Supportact eingeladen haben.
Ich selber habe GHOST das erste Mal diesen Juli im Vorprogramm von IRON MAIDEN gehört und gesehen. Von Anfang an konnte mich die Musik der Band überzeugen und die Show war natürlich mehr als cool. Allerdings schienen viele im Publikum das anders zu sehen. Vielleicht lag es auch daran, dass die Band an einem mehr als sonnigen und heißen Sommertag auftrat und sich so die Show nicht richtig entfalten konnte. Von daher war der Besuch der Headlinertour für jeden Jünger Pflicht, denn nur so wird man in den vollen Genuss von GHOST kommen können.
Die Vorband THE OATH habe ich verpasst. Scheinbar fing man schon früher an, denn als ich um 21.20 Uhr nach einer halbstündigen Parkplatzsuche in der dichten Kölner Altstadt endlich in die Halle kam, schien die Band schon gespielt zu haben.
Die Umbaupause überbrückt man stilecht mit massig Weihrauch in der Luft sowie gregorianischem Choral. Als Bühnenhintergrund entschied man sich für den Look einer Kathedrale. So blickt der Fan auf schön verzierte Bleiglasfenster. Allein diese Szenerie, die mehr einem Ganzkörpererlebnis gleicht, macht schon Lust auf das was gleich folgen soll.
Die Nameless Ghouls von GHOST betreten nach einem kleinen Intro die Bühne und eröffnen das Set mit 'Infestissumam'. Der Jubel nimmt natürlich weiter zu als Papa Emeritus II die Bühne betritt und sich von seinen Jüngern feiern lässt. Der Sound schallt glasklar durch die Boxen, was der Qualität des Spektakels nur all zu dienlich ist. Wie ärgerlich wäre ein schlechter und matschiger Sound bei solch vielschichtiger Musik gewesen?
Das 16 Song starke Set ist eine super Mischung aus den beiden Alben "Opus Eponymous" und "Infestissumam". So ziemlich jeder Hit der Band wird gespielt, egal ob ältere Nummern wie 'Stand By Him', 'Elizabeth' oder 'Ritual'. Es ist aber eindeutig, dass die Jünger besonders die aktuellen Nummern euphorisch aufnehmen. Für mich ist 'Year Zero' das Highlight der Show. Live kommen die Chöre sogar noch besser als auf Platte. Die Verbindung von 70er Rock, Metal, Choralgesang und in diesem besonderen Fall auch leichte Elektronik, ist in diesem Song von der Band perfektioniert worden. Im Set tauchen auch zwei Cover der gerade veröffentlichten "If You Have Ghost" EP auf: 'Here Comes The Sun' von den BEATLES und der Titelsong, ein Cover von ROKY ERICSON. Dass es sich hier um Coverversionen halten soll, merkt man kaum, denn GHOST verleiht diesen Nummern den besonderen bandeigenen Klang. Es ist auch überraschend, dass Papa Emeritus zwar der Mittelpunkt des Geschehens ist, die Musiker aber mehr als schmückendes Beiwerk sind. Die Nameless Ghouls rocken mehr als gut durch das Set und kriegen bei diversen Soli, wenn auch erst nach Aufforderung des Oberhaupts Papa Emeritus II, mehr als wohlwollenden Applaus. Es sind allerdings ganz klar die kleinen Gesten des Sängers, die das Publikum in den Bann der Schweden ziehen können.

Durchatmen ...

... Nach etwas mehr als 65 Minuten verabschiedet sich die Band mit 'If You Have Ghost'. Nur wenige Augenblicke später entert man jedoch erneut die Bühne um mit 'Ghuleh / Zombie Queen' und 'Monstrance Clock' die Spielzeit auf mehr als ordentliche 80 Minuten zu hieven. Fantastische 80 Minuten sogar! Mit Sicherheit hat man hier eines der besten Konzerte des Jahres erlebt. Ich wüsste nicht was man hier meckern könnte. Die Spielzeit war länger als ich erwartet habe, der Sound war perfekt, die Band ebenfalls und Papa Emeritus II ist eh eine Kultfigur. Was könnte man noch mehr von einer Abendmesse am Sonntag erwarten?

Text © by Sebastian Berning