Heavy Metal Reviews

Location: RWE Sporthalle, Mülheim

e-Trado GmbH

Shout It Out Loud Festival 2012

Heavy Metal Reviews

(13. März 2012) Nachdem letzten Juni schon die Glam Metal-Helden CINDERELLA ihr erstes Deutschlandkonzert seit gut fünfzehn Jahren außergerechnet in Mülheim spielten, wird das Festival für Hard Rock, Glam Metal, Hair Metal und Sleaze am 13. März 2012 fortgesetzt. Eigentlich hätten QUIET RIOT den Posten des Headliners übernehmen sollen, nachdem die erst als recht wahrscheinlich angekündigten POISON doch nicht kommen konnten. Doch auch QUIET RIOT mussten ihren Auftritt – trotz Bestätigung - absagen. Als Ersatz sollten dann die DANGEROUS TOYS fungieren, die schon seit 22 Jahren nicht mehr in Deutschland waren. Dass diese natürlich in absolut keinem Verhältnis zu CINDERELLA, POISON oder QUIET RIOT zu setzen sind wurde auch den Veranstaltern bewusst und so übernahmen die eh schon bestätigten Schweden von HARDCORE SUPERSTAR die Position als Headliner an. Doch mit erwähnten DANGEROUS TOYS, VAIN und TUFF, die zusammen mit der SHAMELESS-Allstarband auftreten sind immerhin drei Originale der 80er US-Glam/Sleaze-Historie dabei. Die erste Band auf meinem Tagesprogramm sind allerdings erst die Schweden von SISTER. Ihr Debütalbum „Hated“ ist ein Sleaze-Feuerwerk vor dem Herren, welches mit ordentlich punkigem Rotz und dem ein oder anderen Metalzitat ziemlich räudig daher kommt. Ähnlich räudig ist auch der Auftritt des Quartetts. Ganz nüchtern scheinen die Schweden nicht zu sein, doch hindert sie dies nicht daran ordentlich über die Bühne zu rocken vor welcher nur gut 200 Nasen stehen. Insgesamt ist die Mülheimer RWE Halle ziemlich leer, da war im Vorjahr bei CINDERELLA mehr Andrang, doch sind dieses Mal nun mal einfach keine all zu namhaften Bands auf dem Billing. SISTER geben dennoch ihr Bestes und Songs wie Drag Me To The Grave oder Motherfuckers (Like You) kommen sehr gut bei den Interessierten an. Doch scheinen sich mehr Leute auf die Niederländer von VANDERBUYST zu freuen. Ihr gleichnamiges Debütalbum erhielt durchweg gute Kritiken. Mir persönlich ist die Band zu nah am Metal platziert soundtechnisch. Hier regnet es ein wahres 80er Metalgewitter mit der ein oder anderen rockigen Note. Es stehen schon ein paar mehr Nasen vor der Bühne, doch der Großteil des Publikums steht an der Getränketheke, an den CD- und Merchandiseständen oder auf dem „Balkon“ der Mülheimer Sporthalle um eine zu rauchen oder etwas zu essen. Die Show des niederländischen Trios beschränkt sich dann meist eh nur auf headbangen und man verzichtet auf große Gesten. Eben diese bietet TUFF-Sänger Stevie Rachelle bestens. Zusammen mit den Musikern von SHAMELESS liefert er ein Set mit vielen Songs von TUFF und dem ein oder anderen Song der in München gegründeten Allstarband in welcher zeitweise sogar Musiker von KISS mitspielten. Rachelle kommt sich anscheinend vor als ob er vor 10.000 kreischenden Fans spielen, denn seine Posen und sein Spiel mit dem Publikum sind wie für die großen Stadien dieser Welt gemacht. Damit kann er dem Publikum zum ersten Mal heute richtig einheizen. Besonders bei dem kleinen TUFF-Hit I Hate Kissing You Goodbye , welcher 1991 recht oft bei MTV lief, worauf der Sänger merklich stolz ist, singen die Fans lauthals mit. Ähnlich verhält es sich bei dem coolen Rocker Good Guys Wear Black oder The All-New Generation. Nach etwas mehr als einer dreiviertel Stunde welchen die Band mehr als gut füllen konnte ist dann schon Schluss. Dafür steht mit VAIN nun die nächste 80er-Szenegröße an. Wesentlich dreckiger als TUFF kommt die Band um Sänger Davy Vain daher. Mit dem Opener Secrets ihres 1989er Kultdebüts „No Respect“ legt die Band direkt sehr agil los. Die ersten gestreckten Fäuste in der Luft zeigen, dass es auch dem Publikum zu gefallen scheint. Man legt am heutigen Abend den Fokus der Setlist besonders auf das Debüt und das aktuelle Album „Enough Rope“, welches letztes Jahr erschienen ist. Von letztgenanntem Werk kann besonders der live dargebotene Titeltrack Enough Rope überzeugen, da er in bester No Respect-Tradition gehalten ist. Und es sind besonders die alten Gassenhauer wie Icy, Who’s Watching You? oder das abschließende Beat The Bullet welches die Anwesenden richtig begeistern können. Nur zwischen den Songs ist es oft recht ruhig und Vain nuschelt etwas ins Mikrofon, zusammen ergibt dies einen leicht merkwürdigen Eindruck, da zwischen den Songs das Energielevel bei Fans und der Band selber rapide zu sinken scheint. Dennoch liefern VAIN den musikalisch vielleicht besten Auftritt des heutigen Festivals. DANGEROUS TOYS waren seit 22 Jahren nicht mehr in Deutschland. Solange sind viele der Anwesenden nicht einmal auf der Welt. Man hätte eigentlich eine hungrigere Band erwarten dürfen als das was DANGEROUS TOYS heute Abend abliefern. Mit Outlaw beginnt man das Set zwar richtig gut, doch die nächsten 75 Minuten sollen ziemlich wechselhaft werden. Zwar beschränkt man sich fast ausschließlich auf das Material der ersten beiden Alben, „Dangerous Toys“ und „Hellacious Acres“, doch dennoch ist die Show streckenweise etwas zäh. Viel passiert auf der Bühne nicht, man versprüht wenig Charisma und Energie und nur während der Hits will wirklich der Funke überspringen. Da haben die beiden vorherigen Truppen TUFF und VAIN eine wesentlich bessere Show hingelegt als die zumindest auf den Alben dreckig rockenden DANGEROUS TOYS, die eigentlich wie ein Rip-Off des GUNS ’N ROSES-Debüts „Appetite For Destruction“ klingen. Nach knapp 80 Minuten ist dann Schluss. Schlecht war der Auftritt nicht unbedingt, aber streckenweise hat man sich schon etwas gelangweilt wenn nicht gerade einer der guten Songs der Hard Rocker kam.

Hardcore Superstar, Dangerous Toys, Vain, Tuff, Vanderbyurst und Sister

Wie man aber eine richtig gute Rockshow an den Mann bringt beweisen die Schweden von HARDCORE SUPERSTAR. Auf einmal ist sogar richtig viel los vor der Bühne. Nicht mal bei CINDERELLA letztes Jahr ging derartig viel vor der Bühne wie bei den Sleaze Rockern. Hier wird die Faust in den Himmel gereckt, lauthals mitgesungen und rumgesprungen. Doch der metallische Sound der Band fordert dies gerade zu. Zudem ist das Quartett bestens aufgelegt und rockt sich mehr als amtlich durch ihr anderthalbstündiges Set, welches gespickt mit vielen Hits der Bandgeschichte ist. Besonders die Songs vom 2005er Werk „Hardcore Superstar“ wie Wild Boys, My Good Reputation oder das abschließende We Don’t Celebrate Sundays kommen sehr gut den gut 650 Fans an. Aber auch andere Gassenhauer wie Dreaming In A Casket, Last Call For Alcohol, Beg For It, Sadistic Girls oder die Ballade Run To Your Mama (heute nicht als Piano-Ballade sondern vorgetragen von der Gitarre) kommen sehr gut beim feiernden Publikum an.
Ganze 90 Minuten lang schaffen HARDCORE SUPERSTAR das was DANGEROUS TOYS nicht schaffen konnten: das Publikum zu fesseln. Und das auch noch über die gesamten anderthalb Stunden Spielzeit. HARDCORE SUPERSTAR wurden ihrer Headlinerrolle heute absolut gerecht. Das Shout It Out Loud Festival war bandtechnisch wieder ein voller Erfolg, nur leider blieb der Ansturm von Menschen aus, doch schon im Oktober gibt es die dritte Edition des Festivals wo unter anderem wohl DOKKEN und WHITE LION kommen sollen. Bestätigt hingegen sind schon CRAZY LIXX, CRASHDIET (die dieses mal absagen mussten wegen Krankheit), BANG TANGO und die UK-Glam Metaller von TIGERTAILZ.

Text © by Sebastian Berning