Heavy Metal Reviews

Location: Weststadthalle, Essen

e-Trado GmbH

Rebellion Tour mit Madball, Comeback Kid, Terror, Your Demise, The Setup und AYS

Heavy Metal Reviews

(17. Mrz 2013) Bereits zum vierten Mal rollt die Rebellion-Tour durch Europa. Aber noch nie hatte sie ein so hochkarätiges Billing wie 2013. Neben der NYHC-Legende MADBALL stehen mit TERROR und COMEBACK KID zwei weitere mehr als beliebte Bands auf dem Programm. Für Fans modernerer Klänge gibt es noch die Briten von YOUR DEMISE. THE SETUP bedienen sich ebenfalls am New-School-Hardcore, während AYS dreckiger als die anderen Bands klingen.
Die erste Band für mich am heutigen Abend in Essen sind YOUR DEMISE. Die Essener Weststadthalle ist mittlerweile gut gefüllt und an der Abendkasse gibt es nur noch wenige Karten. Kurz vor sechs beginnen die Briten dann ihr Set mit dem neuen Song Karma von ihrer brandneuen Cold Chillin‘ EP. Das Publikum vor der Bühne ist recht jung und feiert den leicht prolligen und Breakdown-lastigen Sound des Quintetts. Es scheint so als wollten YOUR DEMISE heute unbedingt auf hart machen zwischen all den anderen Bands. Nur einer der gespielten Songs weist klaren Gesang auf, nämlich das abschließende The Kids We Used To Be.
Vom eigentlich immer noch aktuellen Werk The Golden Age werden nur die Abrissbirnen Push Me Under, Born A Snake sowie der Titelsong The Golden Age gespielt. Auch gibt es keinen einzigen alten Song wie etwa Burnt Tongues. Wirklicher Kritikpunkt der Show ist aber Sänger Ed McRae, der ziemlich bekifft rüberkommt. Der klare Gesang ist absolut furchtbar und auch sonst fehlt der gesamten Band der Drive, den sie noch vor zwei, drei Jahren an den Tag gelegt hat. Dies äußert sich auch darin, dass die Songs mittlerweile allesamt langsamer gespielt werden als auf Platte. Naja, YOUR DEMISE haben auf jeden Fall schon bessere Shows gespielt.
Überraschend gut sind allerdings die nachfolgenden TERROR. Ich habe die Band zwar schon das ein oder andere Mal live gesehen, doch nie war die Truppe um Sänger Scott Vogel so gut wie am heutigen Abend. Ich bin quasi überrascht wie viel Spaß TERROR machen können. Besonders die Metal-lastigen Songs der letzten drei Alben The Damned The Shamed, Keepers Of The Faith sowie des im April erscheinenden neuen Werks Live By The Code kommen richtig gut an. Aber natürlich freuen auch Tough-Guy-Nummern wie Keep Your Mouth Shut, Spit My Rage, Always The Hard Way oder Lowest Of The Low sehr gut an. Vor der gesamten Bühne tobt ein gewaltiger Moshpit, der nur selten still steht. Etwas mehr als 40 Minuten über gibt die Band um den sympathischen Vogel am Mikro Vollgas und spielt eine Masse an Songs. Über die Setlist oder die Performance an sich wird sicherlich kein Fan klagen können.
Bei den Kanadiern COMEBACK KID läuft es anfangs nicht ganz so gut wie für TERROR. Vor der Bühne ist viel Platz, weil noch einige Leute draußen stehen und rauchen. Die paar Nasen, die direkt an der Bühne stehen scheinen die Band auch nicht wirklich gut zu kennen. Schade, aber mit Do Yourself A Favor gibt die Band von den ersten Takten an Gas. Während der nächsten Songs wird es glücklicherweise voller vor der Bühne. Der melodische und eher moderne Hardcore von Sänger Andrew Neufeld und seiner Band scheint doch einige Freunde in Essen zu haben. Besonders die Nummern von den ersten beiden Alben Turn It Around und Wake The Dead kommen gut an. Leider kommt das dritte Album Broadcasting... viel zu kurz und wird nur mit dem Titletrack bespielt. Dafür bekommt das immer noch aktuelle Werk Symptoms + Curses genug Spielzeit eingeräumt, was auch nicht schlecht ist, da ich echt vergessen habe, dass die vierte COMEBACK-KID-Platte auch viele top Songs zu bieten hat. Die Tonight bleibt heute leider auch aus, aber als Wake The Dead das Set beendet, gibt es vor der Bühne kein Halten mehr. Da darf man sich schon auf den 24. April 2013 freuen wo die Band in Köln eine exklusive Show gibt bei der das ganze Debütalbum Turn It Around gespielt wird und ausgewählte Hits von Wake The Dead.
Zu guter Letzt sind dann schließlich MADBALL an der Reihe. Ohne diese Band gäbe es sicherlich die meisten Truppen der Szene nicht. Seit den ganz frühen 90er Jahren ist die Band eine Legende was Hardcore angeht. Prolliger und bodenständiger ist sicherlich kaum eine Band der frühen Szene.
Natürlich präsentieren die Jungs ein Best-Of-Set mit einigen Songs ihres aktuellen Werks Empire. Mir selber waren MADBALL immer zu eintönig. Dies lässt sich auch am heutigen Abend feststellen. Sicherlich hat die Gruppe viele Bands beeinflusst und den Hardcore-Sound geprägt, mir persönlich gibt das allerdings trotzdem nichts. Gut 45 Minuten über turnen die Amerikaner über die Bühne und geben dem Publikum genau das was sie wollen. Besonders die alten Hits wie Down By Law, Lockdown, Look My Way, Set It Off oder Spit On Your Grave kommen sehr gut an und geben dem riesigen Moshpit stets neues Feuer.
Insgesamt war die Rebellion-Tour vom Line-Up her selten besser und konnte junge und alte Fans gleichermaßen anlocken. Den jungen YOUR DEMISE-Kids haben vielleicht auch die etwas weniger trendlastigen übrigens Bands gefallen. Für einen Preis von 22 bzw. 24 Euro an der Abendkasse konnte man definitiv nicht mehr verlangen.

Text © by Sebastian Berning