Heavy Metal Reviews

Location: Stahlwerk, Düsseldorf

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Parkway Drive mit We Came As Romans und Memphis May Fire

Parkway Drive mit We Came As Romans und Memphis May Fire

(14. November 2013) Dass PARKWAY DRIVE der Headliner der europäischen Music Nights ist, ist nun wirklich kein Wunder. Es gab in Europa sicherlich keine Steckdose an der die Australier noch nicht schon gespielt haben. Interessant sind also besonders die drei Vorbands, die man vielleicht noch nicht so häufig gesehen hat. WE CAME AS ROMANS ist mit Sicherheit eines der heißesten Eisen im aktuellen Metalcore-Zirkus. In den USA gehört MEMPHIS MAY FIRE ebenfalls zu den Senkrechtstartern der Szene. LIKE MOTHS TO FLAMES sind hier wie in den Staaten noch dabei sich einen Ruf zu erspielen und haben erst jüngst ihr zweites Album "An Eye For An Eye" veröffentlicht. Bedingt durch den mehr als nervigen Feierabend der Düsseldorfer Innenstadt und der schlechten Parkplatzsituation des Stahlwerks. Sehr schade, denn ich habe mich gerade auf diese Band sehr gefreut.
Also ist MEMPHIS MAY FIRE der Einstieg für mich. Man kann die Musik der Band von zwei Standpunkten aus betrachten: Entweder man sieht am Sound absolut austauschbaren Metalcore oder eine überdurchschnittliche Band, die allerdings nicht wirklich viel anderes Material liefert als die zahlreichen Kollegen. Was allerdings für jeden klar sein sollte ist, dass besonders der klare Gesang ziemlich glatt und perfekt aus den Boxen schallt. Zumindest bei mir, der nicht gerade im Zentrum des amtlichen Moshpits steht, kommt die Frage auf, ob es sich dabei wirklich um eine reine Liveperformance handelt. Die Band rockt dennoch mehr als amtlich durch das halbstündige Set, dessen Fokus ganz klar auf dem aktuellen Werk "Challenger" liegt. Die Kids haben ihren Spaß mit der Truppe und so wird wie zu besten Nu Metal-Zeiten gehüpft. Ich habe da schon wesentlich langweiligere Shows in diesem Genre gesehen als die von MEMPHIS MAY FIRE. Man sollte sich vielleicht etwas näher mit der Band beschäftigen.
Es scheint so als ob WE CAME AS ROMANS mittlerweile in der ersten Metalcore-Liga angekommen ist. Von der ersten Sekunde an, frisst das Publikum der Band aus der Hand. 'Tracing Back Roots' eröffnet das fast 40 Minuten lange Set des Sextetts. Besonders die neuen Songs der diesjährigen Veröffentlichung "Tracing Back Roots", bereiten dem Publikum Freude. Wie schon bei MEMPHIS MAY FIRE ist die Nu Metal-Hüpfburg im vorderen Hallenviertel mehr als gut besucht. Lautstark wird jedes "Oho" vom jungen Publikum mitgesungen. Das Gesangs-Duo Kyle Pavone und David Stephens heizt den Fans ziemlich ein, besonders der schmächtige Pavone, der für den klaren Gesang zuständig ist, gibt sich sehr Publikumsnah und geht öfters mal an die Absperrung vor die Bühne oder gönnt sich ein Bad in der Menge. Dennoch sitzt sein Gesang sehr gut, was ich nicht erwartet hätte. Immerhin schaffen viele Bands es gerade beim klaren Gesang nicht das Niveau der Platte zu erreichen. Für mich ist die Performance von WE CAME AS ROMANS die mit Abstand Beste des Abends.
Dass mich PARKWAY DRIVE am heutigen Abend nicht so begeistern können, liegt vielleicht daran, dass ich die Band vorher bereits neun Mal live gesehen habe. Vielleicht aber auch an der etwas langatmigen Setlist, die auf die etwas langsameren Songs der letzten beiden Alben setzt. Von "Killing With A Smile" zum Beispiel gibt es nur einen einzigen Song, nämlich 'Romance Is Dead'. Ich weiß nicht, ob ich langsam zu alt für diese Band bin oder sich mir die Klasse der letzten beiden Werke nicht ganz offenbart, aber ich hätte lieber mehr Songs von diesem Album gehört als so viel "Deep Blue"- und "Atlas"-Material.
Zugegeben, die Eröffnungsnummern 'Dark Days' und 'Sleepwalker' sind schon mehr als knackige Tracks, die das Publikum direkt ausrasten lassen. Mir hätten Abrissbirnen wie 'Guns For Show, Knives For A Pro', 'Mutiny' oder 'Gimme AD' allerdings noch besser gefallen. Und wenn man schon etwas langsamere und abwechslungsreichere Songs spielen will, warum dann nicht mal wirklich Abwechslung reinbringen und 'It's Hard To Speak Without A Tongue' oder 'A Cold Day In Hell' spielen? Ein Paar Überraschungen würden dem PARKWAY DRIVE-Set wirklich gut tun.
Technisch ist die Band natürlich trotz aller Kritik meinerseits über alle Zweifel erhaben. Es wirkt auf mich nur ermüdend, dass es in der Setlist dieser recht großen und veröffentlichungsreichen Band so gut wie keine Abwechslung gibt. Was mir auch komisch vorkommt ist, dass gerade einmal 12 Songs zum Besten gegeben werden. Die Zugabe 'Carrion' beendet nach einer knappen Stunde das Set und die Truppe verabschiedet sich.
Möglicherweise hatte man heute einfach nicht so viel Lust zu spielen, da die Halle gerade einmal halb voll ist und damit weit unter PARKWAY DRIVE-Durchschnitt ist. Wie dem auch sei, für viel mehr hätte ich mich heute eh nicht begeistern können. Auch wenn ich mit dieser Meinung sicherlich recht alleine da stehe.

Text © by Sebastian Berning