Heavy Metal Reviews

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Mötley Crüe

Heavy Metal Reviews

(11. Juni 2012) Letztes Jahr ging das europäische Festland noch leer aus, während das Vereinigte Königreich jubeln konnte. Dort bekam man eine fette Tour von MÖTLEY CRÜE und DEF LEPPARD. Mit halbjähriger Verspätung lassen sich Tommy Lee, Vince Neil, Nikki Sixx und Mick Mars auch in Deutschland sehen. Als Co-Headliner hat man dieses mal ex-GUNS N' ROSES-Klampfer SLASH dabei. Und als wäre das noch nicht genug gibt es mit den BLACK VEIL BRIDES auch etwas für die jungen Mädels. Es ist etwa 18.20 Uhr. Das Stadion ist noch nicht einmal halbgefüllt und das obwohl man noch einiges abgesperrt und verkleinert hat. Das sah drei Tage eher bei GUNS N' ROSES noch ganz anders aus, dort wurden sogar extra Tribünen aufgestellt. Aber gut, es ist ja noch eine Stunde bevor die BLACK VEIL BRIDES die Bühne entern sollen - denkste! Auf meiner Karte stand 19.30 solle es beginnen, auf anderen schon um 19. Uhr, weitere 40 Minuten gehen Andy Biersack und seine Jungs auf die Bretter. Hinter ihnen prangert ein riesiger Backdrop mit dem Bandlogo, vor den Boxen stehen ebenfalls Banner, welche das Logo der Amerikaner präsentieren. Die Band weiß also schon einmal wie man klotzt. Aber das war ja schon dank des letztjährigen Albums "Set The World On Fire" bekannt, welches Lichtjahre vom Debüt "We Stich These Wounds" entfernt war. Lässig legt man mit 'New Religion' los und wenn man die Augen schließt, könnte man meinen AVENGED SEVENFOLD haben endlich wieder ihren alten Pfiff wieder. Öffnet man seine Augen sieht man fünf spargeldürre Kerle, die irgendwo zwischen Glam und Gothic-Look anzusiedeln sind. Komplett in schwarz, etwas Schminke hier und da, Glam Metal-Frisuren und zerrissene Skinny Jeans. Klar, dass das besonders bei den jungen Mädchen gut ankommt Doch auch musikalisch hat die Truppe aus L.A. einiges zu bieten. 'God Bless You' rockt unverschmt dreckig. Das 'Rebell Yell'-Cover erzeugt auch etwas Stimmung in den lichten Reihen und 'Fallen Angels' ist eh ein Hit. Fehlt nur noch 'Rebel Love Song', doch nach gerade einmal sechs Songs ist schon Schluss. Viel reißen konnte das Quintett sicherlich nicht heute, dafür war man einfach viel, viel, viel zu früh auf der Bühne und für die in die Jahre gekommenen Mötley Crüe-Fans wird man zu modern, zu emo, zu düster sein. Dennoch ist die Leistung nicht zu verachten. SLASH featuring MILES KENNEDY & THE CONSPIRACIES betreten als nächstes die Bühne. Joah, viel erwartet habe ich im Vorfeld eh nicht. Die beiden Solo-Platten des Gitarrenasses sind in Ordnung, aber nun wirklich nichts was ich abfeier oder wo gar an der "Appetite For Destruction"-Klasse gekratzt wird. Myles Kennedy ist zudem auch ein stinklangweiliger Frontmann. Mehr als von einer Bühnenseite zur anderen laufen und dabei ab und an mal die Faust zu recken ist beim besten Willen nicht drin. Slash selber wirkt auch nicht gerade auf der Höhe seiner Laune. Die Band spielt ihr Programm routiniert runter, Highlight sind aber ganz klar die gebotenen GUNS N' ROSES-Songs, nur dass Axl und seine Mannschaft diese auch wesentlich besser dargeboten haben als die hier spielende Kapelle. Songs wie 'Anastasia' oder 'California Sun' sind sicherlich nett, aber irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei. Nach einer Stunde langsam über die Bühne laufen ist dann Schluss. Nach netten 35 Minuten warten kommen endlich MÖTLEY CRÜE. Man betritt die Bühne zu einem Dubstep-Intro und legt direkt ordentlich mit 'Wild Side' los. Vince Neil und Co werden natürlich eh nur die Hits spielen, Überraschungen erwartet sicherlich niemand im Verlaufe des Sets, auch wenn Perlen wie 'Use It Or Loose It', 'Knock 'Em Dead, Kid', 'You're All I Need', 'On With The Show' oder die völlig unterbewerteten 'Hell On High Heels' sowie 'If I Die Tomorrow' nett gewesen wären. Beklagen kann man sicher aber nun wirklich nicht. MÖTLEY CRÜE bieten den ganz großen Rock'n'Roll-Zirkus inklusive zwei Tänzerinnen, die gleichzeitig auch als Backgroundsängerinnen agieren bei einzelnen Songs.

mit Slash und Black Veil Brides

Die Fans im Innenraum drehen komplett am Rad während Tracks wie 'Dr. Feelgood', 'Primal Scream', 'Girls Girls Girls', dem absolut brutal rockenden 'Live Wire' oder 'Smokin' In The Boys Room'. Die CRÜE bietet in der Tat ein wahres Hitfeuerwerk, welches keinen Fan wirklich enttäuschen wird. Sänger Vince Neil ist gut in Form und sprintet das gesamte Konzert über über die große Bühne. Nikki Sixx gibt sich ebenfalls mehr als cool und Tommy Lee ist eh die Coolness in Person. Da tut einem der von Knochenproblemen geplagte Mick Mars schon Leid. Ganz langsam bewegt sich der zierliche Gitarrist in gebückter Haltung von einer Seite zu anderen. Das Drumsolo von Tommy Lee ist dafür Entertainment pur! Der Mann fährt mit seinem Drumkit (langsam) Loopings und rollt hin und her über seinen Achterbahnlooping-Drumraiser. Begleitet wird er davon (erneut) von einem Dubstep-Track. Das Ganze anzusehen ist schon mehr als unterhaltsam, spielerisch bringt Tommy während seines Solos allerdings recht wenig. Mehr als Bum-ta-bum-ta kommt leider nicht. Nach dem grandiosen 'Kickstart My Heart' ist nach anderthalb Stunden puren Rock'n'Rolls Schluss und die Band verabschiedet sich ohne Zugaben. MÖTLEY CRÜE haben definitiv eine dermaßen gute Show abgelifert, dass die paar zwölf Jährigens Fans für ihr Leben gebrandmarkt sein werden. Hier konnte man noch einmal echtes Rockstar-Feeling schnuppern, sonst kann man ja fast nur noch MUSE und COLDPLAY in derartigen Locations sehen.

Text © by Sebastian Berning