Heavy Metal Reviews

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Iron Maiden – Oberhausen Open Air

Iron Maiden – Oberhausen Open Air, 6.7.2013

(6. Juli 2013) Die britische Heavy Metal-Legende IRON MAIDEN bringt ihre legendäre 1988er Tour “Maiden England“ erneut auf die Bühne. Dies ist bereits die dritte Tour, die sich an eine der glorreichen 80er Jahre Touren anlehnt. Dieses Mal steht das Bühnenbild im Zeichen der Schneelandschaft des “Seventh Son Of A Seventh Son“-Covers. Die eisige Kulisse will gar nicht so recht mit der brodelnden Hitze an diesem Samstag Nachmittag zusammen passen. Doch bevor Bruce Dickinson und Co die Bühne entern, stehen erst drei Vorbands auf dem Programm.

VOODOO SIX, die erste Vorband verpasse ich und hatte auch so relativ wenig Interesse an dem modernen Rock der Briten. Viel interessanter sind da doch die Schweden von GHOST. Wer sich unter den Mönchskutten verbirgt, ist unbekannt, da sich die Mitglieder nur von dem Elementzeichen auf ihrer Robe unterscheiden. Sänger Papa Emeritus malt sich stets einen Totenschädel auf sein Gesicht, so dass man auch bei ihm nicht weiß wer unter der Papstkutte steckt. Der Sound der Newcomer lässt sich sicherlich als okkulter Hard Rock/Heavy Metal bezeichnen mit Einflüssen von BLACK SABBATH über BLUE ÖYSTER CULT bis hin bis zu MERCYFUL FATE. Viel passiert nicht auf der Bühne: Die Musiker bedienen ihre Instrumente solide und lassen sich ab und an zum headbangen verleiten und Papa Emeritus läuft langsam und geheimnisvoll über die Bühne. An sich ist dies die perfekte Show für den Sound der Band, doch wirkt das ganze in einer Halle sicherlich um einiges eindrucksvoller als in der spätnachmittäglichen Sonne. Dennoch ist die Band die (positive) Überraschung des Tages für mich. Vorher hatte ich GHOST gar nicht auf dem Schirm, doch konnte man mich mit diesem Auftritt voll und ganz überzeugen.
Als nächstes stehen die Schweden von SABATON auf der Bühne. Diese kommen beim Publikum schon besser an als GHOST vor ihnen. Dies liegt sicherlich an den schnelleren Songs der Schweden. Der Heavy Metal mit zweite Weltkrieglyrics ist in den letzten Jahren ziemlich populär geworden. Mir persönlich ist der Sound der Band etwas zu viel Plastik. Simple Drums, viel Keyboards und teutonische Riffs. SABATON hat mit Sicherheit ihre Hausaufgaben gemacht was europäischen Metal der 80er und US-Metal der 90er angeht, doch lässt mich ihr Stilmix eher kalt. Dennoch legen die Jungs eine sehr energische Performance von gut 50 Minuten hin. Im vorderen Bereich des Publikums scheinen sich zu dem einige Fans der Gruppe zu verstecken. Im hinteren Bereich hingegen kommt nur wenig an, da der Sound etwas zu leise ist. Da ist das Gespräch des Nachbars oft lauter als die Musik.
Nach etwas mehr als einer halbstündigen Umbaupause geht es endlich mit IRON MAIDEN los. Wie so oft ertönt erst vom Band der UFO-Song ‘Doctor, Doctor‘, dann geht es aber direkt über in den “Seventh Son Of A Seventh Son“-Opener ‘Moonchild‘ los. Von der ersten Sekunde an als die sechs Musiker die Bühne betreten, gibt es kein Halten mehr für das komplett ausverkaufte Open Air Gelände der Oberhausener Königs-Pilsener-Arena. Gut 18.000 Menschen haben sich für IRON MAIDEN versammelt um dieses einzigartige Liveerlebnis der “Maiden England“-Tour auch 2013 (noch) einmal erleben zu dürfen.
Die Setlist von Bruce Dickinson, Steve Harris und dem Rest der Bande basiert bis auf ‘Fear Of The Dark‘ nur aus Material der 80er Alben. Es gibt Hits wie ‘The Number Of The Beast‘, ‘2 Minutes To Midnight‘, ‘Aces High‘, das sonst eher selten gespielte ‘Wasted Years‘ und viele Perlen vom “Seventh Son Of A Seventh Son“-Album, die seit Jahren nicht mehr gespielt wurden, wie etwa der Titelsong oder der Opener ‘Moonchild‘. Leider gibt es aber keine Songs von “Killers“ oder “No Prayer For The Dying“ zu hören. Die Band ist in bester Stimmung und gibt ordentlich Gas. Besonders Sänger Bruce Dickinson stürmt über die Bühne. Die drei Gitarristen Adrian Smith, Jannick Geers und Dave Murray hingegen verhalten sich etwas ruhiger und überlassen es neben Dickinson noch Basser Steve Harris für Schwung und Action auf der schön gestalteten Bühne zu sorgen. Passend zu jedem Song wird das Backdrop gewechselt und die meisten Single-Cover wurden dem Eismotiv angepasst.
Auch Maskottchen Eddie bekommt seine Momente. Während des Evergreens ‘Run To The Hills‘ läuft das Monster in Konföderierten-Uniform über die Bühne und “kämpft“ gegen Geers. Bei ‘Seventh Son Of A Seventh Son‘ ragt ein riesiger Eddie aus der Bühne, der dem auf dem gleichnamigen Cover gleicht. Aus seinem Schädel kommen Flammen gegen Ende der Nummer, was wieder ein super Showeffekt ist. Nach ‘Iron Maiden‘ verabschiedet sich die Band kurz, kommt aber direkt für den Zugabenteil wieder. Dieser besteht aus ‘Aces High‘, ‘The Evil That Men Do‘ und natürlich ‘Running Free‘. Dann ist aber wirklich Schluss und die Band verspricht schon bald wieder zu kommen.
Insgesamt war es eine sehr gute Show der eisernen Jungfrau. Die Setlist war absolut klasse und auch die Performance der Metal-Legende ließ kaum Wünsche übrig, auch wenn Bruce die hohen Töne von ‘Aces High‘ nicht mehr ganz treffen mag/kann. Immer wieder gerne!

Text © by Sebastian Berning