Heavy Metal Reviews

Location: Luxor, Köln

e-Trado GmbH

Sebastian Bach

Sebastian Bach

(30. Juni 2014) Im Februar hatte ich die Gelegenheit SKID ROW live zu erleben. Auch wenn die Band eine extrem gute Figur machte, so konnte Sänger Johnny Solinger seinem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen. Eben jenen, SEBASTIAN BACH, kann man im kleinen Luxor in der Kölner Südstadt bestaunen. Der Fan muss sich nur die Frage stellen, ob er BACH oder doch eher das WM-Spiel der Deutschen gegen Algerien sehen möchte, da beide Termine auf den selben Abend fallen.
Obwohl das Konzert erst um 20 Uhr beginnen sollte, erscheine ich um 20.15 Uhr bereits zur Umbaupause. Um Punkt halb 9 betritt dann SEBASTIAN BACH mit seiner Band die Bühne. Immerhin gut 150 Leute füllen die vorderer Hälfte des Luxors. Sicherlich hat der ex-SKID ROW-Sänger mehr Leute erwartet, doch entgegen meiner Erwartungen, dass er sich divenhaft verhalten wird oder keine Lust auf die Show hat, entpuppt sich der Sänger als wesentlich sympathischer als angenommen. Über die vollen 80 Minuten der Show gibt er sich sehr publikumsnah und gut gelaunt. Zwischen den Songs plaudert er darüber, dass seine Vorfahren aus Baden-Württemberg kommen und laut Portraits ebenfalls volles langes Haare hatten. Rein von der menschlichen Seite konnte BACH mich schon überzeugen.
Doch auch musikalisch ist der Sänger extrem gut drauf. Klar, BACH klingt nicht mehr so gut (oder eher "frisch"?) wie 1989 und braucht auch den Opener 'Slave To The Grind', um sich wirklich in den Gesang zu finden, doch dann sitzt dieser und klingt sehr gut. Natürlich sollte bei einer so starken Eröffnungsnummer das Publikum sofort auf der Seite des Künstlers sein, doch wachen die Nasen vor der Bühne erst so wirklich beim nachfolgenden 'Temptation' von SEBASTIAN BACH's aktuellem dritten Soloalbum auf. Auch wenn mich das Album nicht so begeistern konnte wie die beiden Vorgänger "Angel Down" und "Kicking And Screaming", so wirken die heute dargebotenen Songs live wesentlich besser als auf Platte. Vielleicht weil sie live wesentlich dreckiger rüberkommen und nicht den etwas zu Alternative Rock-lastigen Klang wie die Studioversion besitzen. Von "Kicking And Screaming" wird mit 'Tunnelvision' leider nur ein einziger Song gespielt. Auch "Angel Down" wird einzig mit 'American Metalhead', welches heute in 'German Metalhead' umbenannt wird und in einen ACCEPT-Singalong von 'Balls To The Walls' mündet, gespielt.
Aber natürlich freut man sich besonders über SKID ROW-Material. Mit der Aufnahme von der "Slave To The Grind"-Nummer 'The Threat' überrascht BACH mich etwas (wenn auch positiv), da dies eigentlich kein unverzichtbarer Klassiker ist. Ich persönlich hätte mich noch mehr über 'Wasted Time' oder eine "Subhuman Race"-Nummer gefreut. Aber man kann leider nicht alles haben. Zumal es sonst nichts an der Songauswahl der SKID ROW-Klassiker zu motzen gibt. Alles, was man erwarten kann wird gespielt. Egal, ob 'Monkey Business', 'Big Guns', '18 And Life' oder eine der Balladen der Musikgeschichte, 'I Remember You'. 'Youth Gone Wild' beendet dann standesgemäß die sehr starke Show von SEBASTIAN BACH.
Und wer dann noch Fußball gucken wollte, hatte noch ein paar Minuten Zeit bis zum Anstoß.

Text © by Sebastian Berning