Heavy Metal Reviews

Location: Live Music Hall, Köln

e-Trado GmbH

Lostprophets und Young Guns

Heavy Metal Reviews

(6. Mai 2012) Schon seit Jahren spielen die Waliser von LOSTPROPHETS in der Kölner Live Music Hall vor stets voller Hütte. So auch an diesem regnerischen Maitag. Schon um 15 Uhr stehen etwa 20 Jugendliche vor der Halle und warten auf den Einlass, der erst vier Stunden später sein wird. Mit dabei haben die Mitt-Dreißiger um Sänger Ian Watkins nicht nur ihr neustes Album "Weapons" sondern auch die englischen YOUNG GUNS. Diese entern um 20 Uhr die Bühne und legen gut los mit 'I Was Born, I Have Lived, I Will Surely Die', dem Opener ihres zweiten Albums "Bones". Wie immer zeigt sich das britische Quintett von seiner besten Seite. Einen wirklich schlechten Auftritt habe ich noch nicht von der Truppe gesehen, auch wenn man bei der ALL TIME LOW-Tour letztes Jahr etwas mit Krankheit zu kämpfen hatte, was man besonders Sänger Gustav Wood anmerken konnte. Doch heute ist der Vokalist und der Rest seiner Meute in bester Form. Man rockt gut durch die Setlist und kann das Publikum überzeugen. Egal ob neue Songs wie 'Brothers In Arms' und 'Learn My Lession' oder Songs vom Debütalbum "All Our Kings Are Dead" wie etwa 'Stiches' und das harte 'D.O.A,'. Die YOUNG GUNS können während ihrer 40 Minuten Spielzeit vollauf überzeugen, auch wenn es der ein oder andere Songs mehr vom Debüt hätte sein können. Ich denke da an 'Sons of Apathy', 'Crystal Clear' oder 'Beneath The Waves', aber gut, man kann eben nicht alles haben. Nach mehr als einer halben Stunde Umbaupause betreten endlich die LOSTPROPHETS die Bühne. Vom Band läuft 'Bring Em Down', bei dem das Sextett nach dem ersten Refrain einsteigt. Allemann sind schick in Jacken mit dem neuen Logo eingekleidet und selbst Sänger Ian Watkins kommt schon beim ersten Song etwas in Bewegung. Vor zwei Jahren auf dem Kölner Halt der "The Betrayed"-Tour brauchte der gute Mann ersteinmal zwei, drei Songs um überhaupt seinen Trenchcoat auszuziehen. Heute hingegen ist die gesamte Truppe bestens aufgelegt. Bei der genialen Setlist ist es auch gar kein Wunder, dass die LOSTPROPHETS richtig Bock haben. Egal ob 'It's Not The End Of The World (But I Can See It From Here)', 'Wake Up (Make A Move)', 'A Town Called Hypocrisy', 'Shinobi Vs. Dragon' (der einzige Track vom Debüt "Thefakesoundofprogress"), 'Last Train Home' oder der absolut geniale Dreierpack 'Where We Belong', 'Last Summer' und 'Rooftops', jeder Hit ist ein Treffer beim Publikum, welches heute übrigens jünger wirkt als auf der letzten Tour, wo ich mich von Endzwanzigern umzingelt sah - obwohl ich weiter vorne stand.

LOSTPROPHETS haben live noch nie enttäuscht

Zwar redet die Band wenig mit dem Publikum und wenn dann heizt besonders Keyboarder Jamie Oliver den 1500 Fans ein, doch der Funke springt das gesamte Konzert über auf die Fans über und davon lässt sich widerum die Band anstecken. Nach 'Burn Burn' verabschieden sich die Waliser zum ersten Mal, kommen aber wie erwartet für eine Zugabe zurück. Diese besteht aus dem "Liberation Transmission"-Opener 'Everyday Combat' und 'Sway', dem Abschlusstrack von "Start Something", was eine recht große Überraschung darstellt. Auf dem Schirm hatte sicherlich kaum einer den Song und wenn doch, dann hat er sicherlich nicht erwartet diesen live zu hören. Mir persönlich wäre ja 'Goodbye Tonight', '4:AM Forever' oder 'Broken Hearts, Torn Up Letters And The Story Of A Lonely Girl' lieber gewesen, doch an dieser 90 minütigen Show gibt es absolut nichts zu meckern. Ich habe die LOSTPROPHETS mittlerweile vier Mal gesehen. Das erste Mal machte man den Einheizer 2004 für METALLICA und SLIPKNOT, 2008 gab man sich bei Rock am Ring als Headliner, owbohl man um 14 Uhr als erste Band auf der Center Stage ran musste und eben 2010 in Köln, doch diese Show war mit Abstand die Beste - und die LOSTPROPHETS haben mich live noch nie enttäuscht.

Text © by Sebastian Berning