Heavy Metal Reviews

Location: Live Music Hall, Köln

e-Trado GmbH

Jimmy Eat World mit Rival Schools

Jimmy Eat World mit Rival Schools

(13. November 2013) Als ich JIMMY EAT WORLD 2008 das erste Mal live sah, gehörte der Auftritt zu den besten, die ich in jenem Jahr bei Rock am Ring gesehen habe. Zwar ging es mit dem damals aktuellen Album "Chase This Light" schon leicht bergab, dennoch war die Klasse der Songs von "Clarity", "Bleed American" und "Futures" so hoch anzusiedeln, dass sie den Auftritt ordentlich nach oben zogen. Lust die Band erneut zu sehen kam meinerseits leider nicht auf, weil mich das letzte Album "Invented" ziemlich enttäuscht hat und bis heute nicht viel an Land gewinnen konnte. Umso überraschter war und bin ich noch immer als "Damage" zwar keine reine Rückbesinnung zu alten Emo-Glanztaten war, dennoch wieder viel vom alten Spirit aufnahm und diesen in ein ansprechendes Gewand hüllte. Dieses Mal konnte ich mir JIMMY EAT WORLD nicht entgehen lassen. Vorerst muss man allerdings RIVAL SCHOOLS genießen oder ertragen. Einen Zwischenraum zwischen diesen Extremen gibt es bei der Musik der Truppe wohl nicht. Ähnlich wie JIMMY EAT WORLD konnte man im Fahrwasser von 90er Jahre Emo-Bands wie SAVES THE DAY, SAY ANYTHING, WEEZER und Co mit dem 2001er Debüt "United By Fate" Beachtung gewinnen. Ich konnte nie etwas mit der Gruppe anfangen und so kann mich der Auftritt ebenso wenig begeistern. Sperriger Indie Rock mit Wurzeln im Emo und Post-Hardcore wird geboten, der im vorderen Hallendrittel der nahezu ausverkauften Live Music Hall etwas Begeisterung aufkommen lässt. Die Performance von RIVAL SCHOOLS ist mehr als unspektakulär: Vier Musiker stehen auf der Bühne und spielen ihre Instrumente. Und das 45 Minuten lang. Mehr passiert nicht und so ist jeder Takt eine Art Mutprobe, wie lange man es aushalten kann. Es ist für mich also keine Überraschung, dass im Innenhof der Location mehr als nur ein paar Nasen stehen und sich in der Kälte die Beine in den Bauch stehen.
Wie man mit einer sonst eher genauso unspektakulären Performance dennoch punkten kann, beweisen JIMMY EAT WORLD im Anschluss. Ohne jegliches Intro oder sonstige Showeffekte betritt das Quartett (plus einem Live-Keyboarder) die Bühne und stellt sich kurz vor. Den Opener 'I Will Steal You Back' vergeigt die Band dank technischer Probleme und beginnt nach einem kurzen Gitarrenwechsel einfach noch einmal von vorne. Wirkt irgendwie sympathisch wie Sänger/Gitarrist Jim Adkins mit ein paar flotten Sprüche die ungewollte Pause überbrückt.
Ohne viel Gerede oder Stageacting performt die Truppe die folgenden Songs. Bei neueren Nummern wie 'Big Casino' und 'My Best Theory' (der einzig wirklich gute Song von besagtem "Invented") ist die Stimmung schon gut, allerdings sind es besonders die Kracher von "Clarity" und "Bleed American", welche das Publikum in Bewegung versetzen. Hier wird erstmalig gehüpft und lauthals mitgesungen, während die Nummern, der letzten drei Alben "nur" mehr als wohlwollend empfangen werden. Bei der Livedarbietung der Songs von "Damage" merkt man erneut, dass JIMMY EAT WORLD ein verdammt starkes Album gelungen ist, welches seine beiden Vorgänger nur allzu locker in die Tasche steckt. Dennoch will der Fan Hymnen wie 'Lucky Denver Mint', 'Your New Aesthtic', 'Get It Faster', 'The Sweetness', 'Pain', 'Blister' oder 'Futures' hören. Große Freude bereitet auch die Ballade 'Hear You Me'. Mich lässt der Song allerdings kalt und plätschert nur so dahin. Da auch das Piano der Studioversion fehlt, welches die zweite Songhälfte deutlich aufpeppt, fällt die Nummer bei mir gänzlich durch. Nach dem Doppel 'The Sweetness' und 'Bleed American' verabschiedet sich die Band von ihren Kölner Fans, deren einstige Scheitel mittlerweile durch tiefe Geheimratsecken ersetzt wurden. Man wird nun einmal nicht jünger und ohnehin ist der Altersschnitt eher bei über 25 als drunter. Der Zugabenteil besteht aus 'Chase This Light', der schönen "Futures"-Powerballade '23' und natürlich 'The Middle', der Song der den Emo-Sound auch in Europa etablierte. Nach 23 Songs und 95 Minuten Spielzeit verabschiedet sich JIMMY EAT WORLD dann endgültig von den Fans. Viel mehr hätte man sich von diesem Auftritt aber auch nicht wünschen können - einfach klasse!


Text © by Sebastian Berning