Heavy Metal Reviews

Kiss Rezensionen

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Kiss – Carnival of Souls: The Final Sessions

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Nach “Revenge” wollte man den eingeschlagenen Weg weitergehen und noch verfeinern. Etwas psychedelischer sollte das nächste Album laut Bassist und Schlabberzunge Gene Simmons ausfallen. Ein echter Rockbrocken also. Rausgekommen ist dabei „Carnival of Souls“, welches erst von der Plattenfirma abgelehnt wurde, aber dann doch veröffentlicht wurde, weil viele Bootlegs im Umlauf waren. Dabei wurde wenig Promotion betrieben, das Booklet war noch weniger als spärlich und das Cover war auch nur ein Schnappschuss mit einer ganz billigen Kamera. Doch Gene sollte recht behalten: „Carnival of Souls“ ist in der Tat ein echter Brocken. KISS verabschieden sich vom Glam, vom bodenständigeren Sound von „Revenge“ und von alten Taten sowieso. Das vorliegende Werk biedert sich dem Grunge an (welcher bei der offiziellen Veröffentlichung 1997 auch schon längst im sterben lag und Platz für die Alternative Rock-Welle um Bands wie RADIOHEAD, PLACEBO, OASIS oder JANE’S ADDICTION gemacht hat). Eine Stunde lang nehmen KISS den Hörer in Beschlag und liefern ein ebenso gewöhnungsbedürftiges Werk ab wie einst mit „Music From The Elder“. Komischerweise liefert man mit Childhood Ends, einem recht psychedelischen Rocker aus Genes Feder, und dem kleineren Hit Jungle, welches Paul mit einem richtig guten Refrain austattet, zwei erstaunlich gute Songs. Auch Master & Slave, I Will Be There, Hate und Seduction Of The Innocent können überzeugen, obwohl sie nun wirklich nicht dem entsprechen, was der Fan von KISS erwartet und hören möchte. Interessant ist auch das erste und einzige von Gitarrist Bob Kulick vorgetragene I Walk Alone – auch wenn es keine Offenbarung darstellt. „Carnival of Souls“ ist kein KISS-Album, welches man erwarten würde. Selbst „Music From The Elder“ klingt da noch mehr nach KISS. Trotzdem kann der ein oder andere Song überzeugen, wird aber bei keinem Fan Begeisterungsstürme auslösen. Außerdem ist die etwas lange Spielzeit von über 60 Minuten sehr an der Obergrenze des zumutbaren, was die Band eigentlich schon beim (dennoch) tollen „Hot In The Shade“ gelernt haben sollte. Kauft euch erst die anderen Alben der Band und am Ende die experimentellen Werke „Music From The Elder“ und „Carnival of Souls: The Final Sessions“.

„Rock And Roll Over“

KISS waren nun endgültig Rockstars dank des Erfolgs von “Destroyer” und dessen Hitsingle ‘Beth’. Noch im selben Jahr legt man mit dem fünften Studioalbum „Rock And Roll Over“ nach. Dabei ist dieses Album das komplette Gegenteil von „Destroyer“. Wo „Destroyer“ noch viel Pomp und Perfektion zeigte, ist der Nachfolger ein geradlinigen Rockalbum geworden. Ja, auf „Rock And Roll Over“ wird größtenteils auf viel drum herum verzichtet. Viel lieber spielt die Band knackige Rocknummern, die unter anderem zum härtesten zählen was KISS in ihrer ersten geschminkten Phase veröffentlicht habe. Alleine das abschließende ‚Making Love’ ist ein hart rockendes Stück Musik, welches Paul Stanley in Höchstform – musikalisch sowie ego-technisch („I just hate when the girl says ‚wait’“) – zeigt. Mit ‚Calling Dr. Love’, ‚Baby Driver’, ‚Baby Driver’ und Gene’s Paradesexnummer ‘Love Em And Leave Em’ hat die Band hier einige erstklassige Rocker fabriziert. Mit ‚Hard Luck Woman’ gibt es sogar noch eine ziemlich erfolgreiche Single obendrein. Auch der Albumeinstieg ‚I Want You’, welcher erst als sanftes Folklied beginnt und schnell unerwartet kraftvoll nach vorne rockt, sei an dieser Stelle als ein erstklassiger Track erwähnt. „Rock And Roll Over“ ist mit einem absolut hauchdünnen Vorsprung vor „Love Gun“ mein liebstes KISS-Album der 70er Jahre. Selten rockte die Band dermaßen lässig und cool durch ein Album wie hier. Jeder KISS-Fan braucht dieses Album bevor er sich anderen Klassikern der Kisstory widment.

Kiss – Kissology Vol. 1

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Mit der DVD-Reihe „Kissology“ wühlen KISS ganz tief in der Archivkiste. Der erste Teil der Reihe behandelt die Jahre 1974 bis 1977, also die klassischte aller KISS-Phasen. Angefangen beim Debütalbum „Kiss“ bis einschließlich „Love Gun“. Besonders die ganz frühen Auftritte des Quartetts sind (unfreiwillig) unterhaltsam. Alleine wie Gene Simmons in einer Talkshow neben einer alten Dame sitzt und sagt, wie delikat das Publikum aussähe bringt einen aus heutiger Sicht zu lachen. 1974 war dies sicherlich fast schon skandalös. Was man auf „Kissology“ aber sehr schön sehen kann ist, dass KISS von Anfang an eine gute Liveband sind, sich aber von Jahr zu Jahr steigern können. Bahnbrechend Neues wird dem Fan hier nicht geboten, da fast alles damals im TV zu sehen war oder auf irgendwelchen Videos erschien. Doch wie viele Millionen Fans von KISS waren 1976 schon geboren? Eben, das werden zwar viele sein, aber bei weitem nicht alle. Schade allerdings ist, dass „Kissology“ eher eine Livebiographie ist, das Bandleben und die Bandgeschichte selber aber ziemlich außen vorgelassen wird. Doch bestimmt wird Gene Simmons irgendwann eine ebensolche Dokumentation veröffentlichen. Am Stück zu genießen ist diese DVD übrigens auch nicht. Die Songs wiederholen sich logischerweise, so dass es mehr Sinn macht Konzertetappen einzulegen. So bleibt die Sache wesentlich frischer. Zudem ist der erste Teil der „Kissology“-Reihe (inklusive einer von drei Bonus-DVDs) fast sechs Stunden lang. Doch eines ist „Kissology“ auf jeden Fall: eine für den Fan mehr als lohnende Angelegenheit.


Text © by Sebastian Berning