Heavy Metal Reviews

Kiss Rezensionen

e-Trado GmbH

Kiss – „Kiss“ – „Unmasked“

Heavy Metal Reviews

Schon mit ihren 1974er Debütalbum haben KISS einige Grundbausteine für ihren Erfolg und auch unverzichtbare Songs der heutigen Setlist geliefert. Als eine Art New Yorker Antwort auf BLACK SABBATH wurde die Band um Gene Simmons und Paul Stanley gehandelt. Zwar klang man bei weitem nicht so gefährlich, düster und hart wie Ozzy Osbourne und seine Jungs, dennoch ist man bis heute ein wichtiger Bestandteil der Rock- und Metal-Szene. Alleine der Opener ‚Strutter’ ist schon ein Klassiker vor dem Herren, den jeder KISS-Fan kennt. Ähnlich verhält es sich mit dem Kracher ‚Deuce’. Doch beinhaltet „Kiss“ auch Songs, die noch aus Zeiten der früheren Bands der Mitglieder stammen, wie etwa ‚Firehouse’ (nach welchem sich übrigens auch die gleichnamige Glam Metal-Band benannt hat). „Kiss“ zeigt die Truppe noch wesentlich rauer als spätere Releases. Gene Simmons sagt oft, dass diese Platte die ehrlichste ihrer Diskographie sei, weil man hier noch keine Erwartungen erfüllen musste. Diese Ehrlichkeit hört man dem Werk aber auch an. Letztendlich ist dies halt das Debütalbum von vier New Yorkern, die ihre Version von Rockmusik präsentieren wollten. Tief im 70er Glam Rock verwurzelt kann „Kiss“ allerdings nicht mit den späteren Alben mithalten. Zudem das Instrumental ‚Love Theme From Kiss’ absolut langweilig ist und der Bonustrack ‚Kissing Time’ auch nicht zum besten Material der Bandgeschichte zählt. Das KISS-Debüt liefert viele Hits, ist mir persönlich aber noch etwas zu unausgereift. Erst auf den Alben ab „Dressed To Kill“ entwickelt die Band ihre wirklichen Stärken. Dennoch ist „Kiss“ jedem Fan zu empfehlen.

Nach dem recht erfolgreichen „Dynasty“ wollen es KISS 1980 mit dem extrem poppigen „Unmasked“ noch einmal wissen. Doch irgendwie stößt man vielen Fans vor den Kopf und ist eher ein Fall für die Bravo und andere Jugendmagazine. Man muss diese Platte einfach anders sehen als andere KISS-Werke. KISS haben so ziemlich alle Ecken und Kanten, die sie noch hatten, flach geschliffen. Wenn man sich damit aber erst einmal abgefunden hat ist „Unmasked“ sogar ein ziemlich gutes Eisen. Mit ‚Is That You?’, ‚Talk To Me’, ‚Naked City’, ‚What makes The World Go Round’ oder ‚Two Sides Of The Coin’ klasse Songs zu hören sind. Nur ist die Single ‘Shandi’ so ziemlich das schlimmste was Paul Stanley jemals für KISS (mit)komponiert hat. Dieser Song ist eher ABBA als Rock’n’Roll. Vielleicht liegt der extrem poppige Grundbau auch an den vielen Songschreibern, die mit der Band zusammen an den Songs gearbeitet hat. Doch haben KISS sich davor schon gerne mal und auch danach durchgehend von außen stehenden Komponisten unter die Arme greifen lassen. Zu unrecht ist „Unmasked“ (die Band trug zu diesem Zeitpunkt noch ihre Schminke und sollte diese erst drei Jahre später ablegen um wieder mehr Aufmerksamkeit zu erregen) bei vielen Fans nicht sehr beliebt. KISS liefern mehr als gutes Songmaterial, welches zwar anders klingt als man es vielleicht von KISS erwarten würde, doch war schon der Vorgänger „Dynasty“ eher als eine Art Disco-Rock-Platte verschrien. Und wie so oft sind KISS am besten wenn der Erfolg beim Vorgänger auf hohem Niveau ausblieb. „Creatures Of The Night“ sollte die Band zwei Jahre wieder von ihrer härteren Seite zeigen.

„Rock And Roll Over“

KISS waren nun endgültig Rockstars dank des Erfolgs von “Destroyer” und dessen Hitsingle ‘Beth’. Noch im selben Jahr legt man mit dem fünften Studioalbum „Rock And Roll Over“ nach. Dabei ist dieses Album das komplette Gegenteil von „Destroyer“. Wo „Destroyer“ noch viel Pomp und Perfektion zeigte, ist der Nachfolger ein geradlinigen Rockalbum geworden. Ja, auf „Rock And Roll Over“ wird größtenteils auf viel drum herum verzichtet. Viel lieber spielt die Band knackige Rocknummern, die unter anderem zum härtesten zählen was KISS in ihrer ersten geschminkten Phase veröffentlicht habe. Alleine das abschließende ‚Making Love’ ist ein hart rockendes Stück Musik, welches Paul Stanley in Höchstform – musikalisch sowie ego-technisch („I just hate when the girl says ‚wait’“) – zeigt. Mit ‚Calling Dr. Love’, ‚Baby Driver’, ‚Baby Driver’ und Gene’s Paradesexnummer ‘Love Em And Leave Em’ hat die Band hier einige erstklassige Rocker fabriziert. Mit ‚Hard Luck Woman’ gibt es sogar noch eine ziemlich erfolgreiche Single obendrein. Auch der Albumeinstieg ‚I Want You’, welcher erst als sanftes Folklied beginnt und schnell unerwartet kraftvoll nach vorne rockt, sei an dieser Stelle als ein erstklassiger Track erwähnt. „Rock And Roll Over“ ist mit einem absolut hauchdünnen Vorsprung vor „Love Gun“ mein liebstes KISS-Album der 70er Jahre. Selten rockte die Band dermaßen lässig und cool durch ein Album wie hier. Jeder KISS-Fan braucht dieses Album bevor er sich anderen Klassikern der Kisstory widment.

Text © by Sebastian Berning