Heavy Metal Reviews

Location: Die Kantine, Köln

e-Trado GmbH

You Me At Six mit Deaf Havana

You Me At Six mit Deaf Havana

(20. März 2014) Im UK kann man YOU ME AT SIX nur noch in Hallen sehen, die mindestens 5000 Leuten Platz gewähren. Auf dem europäischen Festland backt die Band kleinere Brötchen. Jahrelang musste man in Köln das Luxor buchen, welches bei einer Kapazität von etwa 400 Leuten liegt. Dieses Mal können fast doppelt so viele Leute in die Kölner Kantine. Bis auf den letzten Platz ist die Show schon Wochen vorher ausverkauft. Grund dafür könnte das im Januar veröffentlchte vierte Album "Cavalier Youth" sein, welches in Großbritanien auf Platz 1 der Albumcharts einstieg. In Deutschland wurde auch ordentlich Werbung gemacht und so konnte man unter anderem bei "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" auftreten und sich einem breiten Publikum vorstellen.
DEAF HAVANA ist ebenfalls keine unbekannte Band auf der Insel. Der Alternative Rock der Briten kommt etwas erwachsener daher als der Sound von YOU ME AT SIX auf den ersten drei Alben, doch fehlte es der Truppe oft an dem nötigen Pfiff. Auch das neue Werk "Old Souls" hat daran wenig ändern können. Live war die Band allerdings stets besser als auf Platte. Am heutigen Abend mag der Funke zumindest auf mich nicht so ganz überspringen. Im vorderen Hallendrittel haben die Fans, meist Mädels zwischen 14 und 18 Jahren, allerdings ordentlich Spaß am springen, klatschen und mitsingen. Ganze zehn Songs können die Engländer spielen und dabei wird das Hauptaugenmrk natürlich auf das aktuelle Album gelegt. Schade, denn der Vorgänger schien etwas besser, weil die Songs pfiffiger waren. Genau darum will die Gruppe heute nicht bei mir zünden. Auch wenn man sich routiniert durch die Songs spielt. Beim nächsten Mal wären ein paar flotte Rocknummern definitiv von Vorteil.

Diesen Fehler macht YOU ME AT SIX zum Glück nicht. Auch wenn man die Pop Punk-Vergangenheit der ersten beiden Alben scheinbar verbergen möchte. Vom Debüt "Take Off Your Colours" wird kein einziger Track gespielt und vom Nachfolger "Hold Me Down" konzentriert man sich bis auf 'Underdog' auf die etwas ruhigeren Nummern wie 'Stay With Me' und 'Liquid Confidence'. Der Fokus liegt somit auf den Rocksongs der letzten beiden Alben "Cavalier Youth" und "Sinners Never Sleep". Und auch wenn "Cavalier Youth" eher an die FOO FIGHTERS oder U2 als an FALL OUT BOY erinnert, kommt das neue Material live um einiges kantiger rüber, wie das Eröffnungsdoppel 'Too Young To Feel This Old' und 'Fresh Start Fever' eindrucksvoll beweist.
Es fällt auf, dass die Briten in der letzten Zeit viel in Sachen Performance gelernt haben, besonders seit ihrer Headlinershow in der Londoner Wembley Arena. Man kennt all die großen Gesten, um mit den Publikum zu spielen und noch mehr Reaktionen hervor zu locken. Man könnte es bei YOU ME AT SIX also vielleicht mit der nächsten Arena-Rockband zu tun. Ganz klar sind viele der Songs auf große Fanchöre ausgelegt - besonders im Fall der neuesten Kompositionen. Dennoch ist es schon schade, dass man die Pop Punk-Phase vernachlässigt. Die eine oder andere Nummer vom Debüt würde alte Erinnerungen hervorrufen.
Die beiden ruhigeren Tracks 'Cold Night' und 'Wild Ones' beenden das reguläre Set mit viel gesanglicher Publikumsbeteiligung. Aber wenige Momente später steht das Quintett wieder auf den Brettern und schlägt mit 'Reckless' die zweite Runde ein. 'Bite My Tongue' und 'Lived A Lie' beenden das knapp 70 Minuten lange und sehr kurzweilige Konzert der Briten. Mal sehen, wo die Band nächste Mal spielen wird. Der Durchbruch dürfte so langsam kommen.


Text © by Sebastian Berning