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Horst Festival 2013

Horst Festival 2013

(2. August 2013) Das Horst Festival ist nun seit fünf Jahren dabei. Einst als „Draußen & Umsonst“-Festival gestartet, kann man sich mittlerweile erlauben einen kleinen Eintrittspreis zu verlangen. So kosten Tageskarten für den 2. und 3. August jeweils 10 Euro, Tickets für beide Tage 16 Euro und der Sonntag ist vollkommen umsonst. Auf zwei Bühnen treten Bands verschiedenster Genres aus, egal ob Metal, Hardcore, Indie, Pop oder Hip Hop; alles ist auf dem Horst vertreten. Für mich interessant ist aber nur der erste Tag.
Erste Band auf der kleinen Bühne namens „Da Hinten“ hätten eigentlich die Berliner von FINAL PRAYER seien sollen, doch fallen diese ersatzlos aus, da man eine Panne auf dem Weg nach hatte.
Somit ist die erste Truppe BETRAYING THE MARTYRS. Die christlichen Franzosen sind noch neu in der Szene und haben erstmals Bekanntheit erreicht als Anfang dieses Jahres mit ASKING ALEXANDRIA auf Europatour waren, dabei ist ihr Debütalbum „Breathe In Life“ bereits 2011 erschienen. Die sechs Franzosen mixen spielen im Prinzip Metalcore mit einem starken Hang in Richtung Deathcore. Von daher ist die Show genauso energiegeladen wie die Musik. Die Truppe ist gut in Bewegung und besonders Schreihals Aaron Matts schafft es das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Vor der Bühne ist ein recht großer Bereich zum Moshen, auch wenn nur etwa 15 Kids den Platz nutzen um während der Breakdowns ihre Karate-Übungen zum Besten zu geben, was wie so oft zur Belustigung der umherstehenden Fans führt. Etwa 40 Minuten gibt BETRAYING THE MARTYRS Songs ihres Debüts zum Besten und ist mit Abstand die beste Band des Tages, einfach weil ihre Songs abwechslungsreicher sind und auch normalen Gesang von Keyboarder Victor Guillet beinhalten. Eine halbe Stunde später steht dann BORN FROM PAIN auf der Bühne. Die Hardcore-Band aus dem Raum MG/Viersen ist schon seit langem eine Band, die im deutschsprachigen Raum und direktem Umland einen guten Ruf genießt. Was früher noch stark von MADBALL und Kollegen beeinflusst war, wurde über die Jahre immer Metal-lastiger, was ihnen sicherlich einiges an neuen Fans einbrachte. Das Publikum heute ist ein bunt gemischter Haufen aus Metal-Fans und Szene-Kindern. BORN FROM PAIN gibt ordentlich Gas und kann besonders mit neueren Songs die Fans erfreuen. Leider ist mir aber viel zu wenig Bewegung auf der Bühne und außer kleinen Bewegungen ist nur wenig zu sehen.
Mehr ist da schon bei den Headlinern von WAR FROM A HARLOTS MOUTH los. Die Band, die sich irgendwo zwischen Deathcore, Jazz, Mathcore und anderen Nischen bewegt, erfreut sich seit ihrem Debütalbum „Transmetropolitan“ stets wachsender Beliebtheit. Das aktuelle vierte Album „Voyeur“ tut diesem Trend keinen Abbruch. Aber wieder einmal merke ich, dass die einzelnen Songs der Band kaum auseinander zu halten sind. Breakdowns, Gefrickel und lange, ausklingende Akkorde sind ein gängiges Stilmittel dieser Berliner Truppe und machen es für den Durchschnittshörer nahezu unmöglich einzelne Nummern ausfindig zu machen. Allerdings sind die meisten Fans von WAR FROM A HARLOTS MOUTH eh überzeugte Hörer, die ihre Lieblinge verehren. So ist vor der Bühne wirklich viel los als die Gruppe ihr Set beginnt. Man sieht den Musikern an, dass es sie wirklich einiges an Kraft und Ausdauer kostet ihre Musik live zu präsentieren. Besonders was das Drumming betrifft, ist diese Band weit vorne mit dabei wenn es um wirklich anspruchsvolle Patterns geht. Dennoch ist es ziemlich schade, dass WAR FROM A HARLOTS MOUTH ihren Auftritt etwas weniger als 20 Minuten eher beenden als geplant war. So kommt die Fanscharr in den Genuss von nur 40 statt 60 Minuten. Eine Zugabe oder dergleichen gibt es auch keine.

Dennoch war er erste Tag des Horst Festivals für zehn Euro eine mehr als lohnende Angelegenheit. Besonders der durchweg gute Sound hat mich positiv überrascht. Es gab nicht zu einer Sekunde auch nur annähernd Soundmatsch oder sonst etwas was gestört hätte. Auch die Organisation um das Festival lief ziemlich gut ab und so konnte man sich eigentlich über nichts beschweren. Man darf schon gespannt sein, welche Bands nächstes Jahr wieder dabei sind.

Text © by Sebastian Berning