Heavy Metal Reviews

Location: Turock, Essen

e-Trado GmbH

L.A. Guns und Hollywood Dirtbags

Heavy Metal Reviews

(13. März 2012) Die L.A. Guns waren in den 80ern absolut wichtig für die Glam Metal- und Sleaze-Szene. Immerhin war ihr Gitarrist Tracii Guns zusammen mit Axl Rose in einer frühen Inkarnation von den legendären GUNS N ROSES. Doch Guns verließ die Band und gründete später L.A. GUNS, zwar war diese Band bei weitem nicht so erfolgreich wie die ex-Band des Gitarristen, doch ihre ersten beiden Alben, „L.A. Guns“ und „Cocked & Loaded“, erreichten beide immerhin Goldstatus in den USA. Doch dann konnte man nur noch wenig Platten verkaufen, veröffentlichte aber als eine der wenigen Bands der Szene immer weiter neue Platten, bis Anfang der 00er Jahre der Bruch mit Sänger Phil Lewis kam. Seitdem gibt es zwei Versionen der Band, die von Gitarrist Tracii Guns und die von Lewis. In Essen spielt am heutigen Abend die Tracii Guns-Version der L.A. GUNS. Doch bevor man die Legende vom Sunset Strip, Los Angeles sieht stehen neben zwei anderen Supportacts die HOLLYWOOD DIRTBAGS aus den Staaten auf der Bühne. Man präsentiert einen ähnlichen Sound wie die vielen schwedischen Sleaze-Bands, nur klingt etwas weniger rotzig, dafür erdiger. Wirklich gut ist das dann leider nicht. Vielleicht liegt dies auch nur am mittelprächtigen Sound, doch so wirklich viel will nicht ankommen. Die Riffs klingen uninspiriert, ihr Bassist hat seine besten Tage optisch auch schon lange hinter sich und gesanglich ist es nur ein einziges kreischen was wohl irgendwie an Axl Rose und Sebastian Bach von SKID ROW erinnern soll. Immerhin erkennt man die Coversongs, zum einen GUNS N ROSES’ ‚It’s So Easy’ und zum anderen ‚Nice Boys’ von ROSE TATTOO (welches GnR übrigens selber auf ihrer „Lies“ EP gecovert haben). Nach einer guten halben Stunde sind die HOLLYWOOD DIRTBAGS dann fertig. Und nach einer winzigen Umbaupause stehen dann auch schon die L.A. GUNS auf der Bühne. So wirklich bekommt man gar nicht mit, dass die Band ihr Set begonnen hat, da man einfach loslegt und in eine Art Jamsession verfällt. Doch dann legt die Truppe ein sehr gutes Set hin, welches sich songtechnisch besonders bei den ersten beiden Erfolgsalben bedient, was natürlich jeden der gut 200 anwesenden Fans freut. Tracii Guns hat eine solide Band um sich herumgescharrt, besonders Sänger Harris scheint sichtlich Spaß zu haben mit seiner Aufgabe als Sänger der Sleaze-Legende. In Sachen Gesang und Stage Acting hat sich der Mann einiges bei LED ZEPPELIN-Frontmann Robert Plant angeschaut. Harris wirbelt über die Bühne und ist oft ziemlich auf Guns fixiert, denn die beiden schießen sich die Bälle nur so zu und wirken wie ein sehr gut eingespieltes Team. Insgesamt ist die Band eh sehr gut aufgelegt am heutigen Abend. Das Quartett rockt ordentlich und auch die Songauswahl ist mehr als gelungen mit Krachern wie ‚No Mercy’, ‚Bitch Is Back’, ‚One More Reason’, ‚Sleazy Come, Easy Go’, ‚I Wanna Be Your Man’ oder der Hitsingle ‚The Ballad Of Jayne’. Vereinzelt gibt es auch Songs von anderen Alben, doch sind es die Hits der ersten beiden Werke, die das Publikum laut mitsingen lassen.

Sex Action Tour 2012

Nach einer Stunde geht die Band kurz von der Bühne um die Zugabe mit einem brandneuen Song einzuläuten, der etwas an die MÖTLEY CRÜE-Comebacksingle ‚If I Do Tomorrow’ erinnert. Doch anscheinend tut sich was im L.A. GUNS-Lager und es folgt neues Material. Zum krönenden Abschluss gibt es dann endlich den Song der Jungs, ‚Sex Action’. Doch leider gibt es diesen in einer zehn minütigen Version, bei der neben dem Refrain des LED ZEPPELIN-Klassikers ‚Whote Lotta Love’ noch ein ellenlanges Solo sowie etwa 45 Sekunden lang komplette Starre auf der Bühne mitzuerleben sind bevor es endlich mit dem letzten Refrain weiter geht. Ob man das gebraucht hätte sei einmal dahin gestellt, aber so kommt die Band auf anständige 75 Minuten Spielzeit und eine extrem gute Show.

Text © by Sebastian Berning