Heavy Metal Reviews

Location: Essigfabrik, Köln

e-Trado GmbH

Asking Alexandria, While She Sleeps, Motionless in White und Betraying The Martyrs

Heavy Metal Reviews

(7. Feb 2013) Eigentlich spielen Bands, die aus Europa stammen ziemlich oft auf ihrem Heimatkontinent. Neben DEF LEPPARD stellen die Engländer von ASKING ALEXANDRIA eine Ausnahme da. Die fünf Briten spielen wesentlich lieber in den USA und touren dort wesentlich ausgiebiger als in Europa. Nach fast genau einem Jahr spielt man erneut in Köln und kann die Essigfabrik schon Wochen im voraus ausverkaufen. Mit dabei haben Gitarrist Ben Bruce und Co ihre Landsmänner WHILE SHE SLEEPS sowie MOTIONLESS IN WHITE und BETRAYING THE MARTYRS.
Die letzten beide verpasse ich allerdings. Laut Homepage hätte das Konzert um acht Uhr anfangen sollen, also ich etwas verspätet eintreffe spielen MOTIONLESS IN WHITE leider schon ihren letzten Song. Relativ schade, da ich die Metalcore-meets-MARILYN MANSON-Mischung gerne mal live gesehen hätte. Die erste Band des Abend sind also WHILE SHE SLEEPS. Die Jungs aus Sheffield habe ich bereits 2010 zusammen auf Tour mit SILVERSTEIN erlebt und war nur wenig begeistert. Musikalisch klang man wie ARCHITECTS zu "Ruin" nur weniger technisch. Showtechnisch konnte man mich nicht ganz überzeugen. 2013 sieht das allerdings schon anders aus. Das neue Album "This Is The Six" kann musikalisch mehr als der Erstling, das acht Song starke "The North Stands For Nothing". Von der ersten Sekunde an gibt das Quintett ordentlich Gas und tobt über die Bühne. Leider ist der Sound etwas zu matschig, was sicher den Abend über auch nicht wirklich ändern wird. Manch Detail geht im Soundmatsch unter und besonders die schnelleren Passagen sind nicht wirklich zu definieren. Die Jungs geben sich aber alle Mühe den Fans eine gute Show zu präsentieren. Die Kids vor der Bühne danken es ihnen mit massig Bewegung und das ein oder andere Horn wird sogar in die Luft gestreckt während des halbstündigen Sets. Highlight der Songauswahl ist der hymnische Titeltrack, 'This Is The Six', der vom Publikum recht lautstark mitgesungen wird.
Nach einer halbstündigen Umbaupause, die durch '80er Highlight wie 'Kickstart My Heart' oder 'The Final Countdown' versüßt wird, entern ASKING ALEXANDRIA die Bühne. Leider habe ich die Band vorher noch nie live erleben können. Schon von den ersten Tönen des Intros 'Welcome' an ist klar, dass heute viel Bewegung aufkommen wird. Ich habe wirklich viele Konzerte in der Kölner Essigfabrik gesehen und meine mich an keinen derartig riesigen Moshpit erinnern zu können. Sänger Danny Worsnop scheint am heutigen Abend optisch einiges bei WHITESNAKE-Frontmann David Coverdale abgeschaut zu haben, zumindest was das weit aufgeknöpfte weiße Hemd angeht. Der Rest der Band wirkt mit den zerrissenen Jeans und strubbeligen Haaren auch ziemlich sleazy. Dass die Briten auf Glam Metal stehen ist allerdings nicht erst seit den SKID ROW-Covern klar. Die Band wirft sich in jede Pose die man in alten Livevideos von GUNS 'N ROSES, MÖTLEY CRÜE, SKID ROW oder DEF LEPPARD gesehen hat. Allerdings wird das vielen Fans gar nicht auffallen, da dies den musikalischen Horizont der meist 14 bis 17 Jahre alten Fans übersteigt. Songtechnisch gibt es nahezu das gesamte aktuelle Album "Reckless & Relentless", ausgewählte Hits des Debütalbums "Stand Up And Scream" sowie einen neuen Song, 'Run Free'. Egal welcher Song gespielt wird, die gut 1200 Kids in der Halle rasten kollektiv aus. Da wird im Pit um sich geschlagen, rumgesprungen oder nach vorne gedrängt. Es gibt massig Chancen für das Publikum seine Textsicherheit unter Beweis zu stellen, meist bei den textlich etwas deftigeren und vulgären Passagen vom Debütalbum. Man kann fast soweit gehen und behaupten, dass die Szenen, welche sich im Publikum abspielen aufregender sind als das was auf der Bühne los ist. Ob den herumtobenden Fans das bewusst ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Was vor der Bühne zum schmunzeln anregt, ist auf der Bühne hingegen eine erstklassige Show. Jede Pose sitzt und man gibt ordentlich Gas und ist schon nach zweieinhalb Songs am schwitzen. Sänger Danny Worsnop klingt bei den klaren Gesangspassagen nicht ganz so gut wie auf CD, sondern etwas rauer, wie es der neue Songs vorab schon ankündigte. Zu Gute halten muss man ihm allerdings, dass der sich nicht vormacht und die hohen Töne trotzdem krumm und schief schmettern will. Genau in diesen Passagen wird die Melodielinie etwas geändert, so dass die Töne wieder sitzen. Andere Bands schummeln da auffälliger.
Nach knapp 70 Minuten und der Zugabe 'The Final Episode' ist Schluss und die Band lässt sich noch etwas feiern bevor sie die Bühne verlassen. Dies könnte das letzte Mal gewesen sein, dass ASKING ALEXANDRIA in einer Halle dieser Größenordnung spielen. Im UK hat man die 5000er-Hallenmarke schon geknackt und spielt somit in größeren Hallen als etwa BRING ME THE HORIZON. Heißer als ASKING ALEXANDRIA ist im Moment keine Band in der Szene und man darf gespannt sein wo die Reise mit dem dritten Album hingeht, welches dieses Jahr erscheinen wird.

Text © by Sebastian Berning