Heavy Metal Reviews

Location: Essigfabrik, Köln

e-Trado GmbH

Converge mit Touché Amoré, A Storm Of Light und The Secret

Heavy Metal Reviews

(23. Nov 2012) Über die letzten Jahre hinweg sind CONVERGE von einem Szene-Highlight zu einer echten Lieblingsband gewachsen, die von Alternative- und Indie-Presse genauso gefeiert wird wie von der Hardcore- und mittlerweile auch Metal-Szene. Die Kölner Essigfabrik ist sehr gut gefüllt und bestimmt sind um die 800, 850 Fans anwesend um das Quartett zu bestaunen.

Als erstes sind aber THE SECRET an der Reihe. Musikalisch lassen sie sich irgendwo bei düsterem Hardcore einordnen. Meist hält sich das Quartett dabei im Mid-Tempo auf und kann in ihren besten Momenten etwas an die Schweden GRIEVED erinnern. Leider ist der Sound nicht wirklich optimal, so dass der Bass sehr dominant aus den Boxen schallt und der Gitarre wenig Raum gewährt. Auch die Bühnenshow lässt zu wünschen übrig. Die Truppe wie nur von hinten bestrahlt und man sieht die Gesichter der Musiker gar nicht. Dies soll sicherlich ziemlich atmosphärisch wirken in Verbindung mit dem Bewegungsradius eines Baums und den nicht vorhandenen Ansagen.
Auch mit der nächsten Band wird es nicht gerade besser. A STORM OF LIGHT versuchen ebenfalls sehr auf Atmosphäre zu setzen. Dazu bedient sich das Quartett einer Leinwand und einem Beamer, der die ganze Show über Bilder von Atombomben, Expolsionen, Gewalt, Vulkanausbrüchen und anderem Elend auf die Bühnenwand projeziert. Ähnlich wie THE SECRET bewegt man sich wenig auf der Bühne zu den Sludge-Sounds, die wie eine schlechte NEUROSIS-Kopie wirken. Da konzentriert sich der Großteil des Publikums lieber auf die Projezierung hinter der Band. Ähnlich wie THE SECRET gibt es maximal nur Anstandsapplaus über die gesamte Dauer hinweg. Viele wären sicherlich auch auf den Hof der Essigfabrik gegangen, doch lässt das regnerische Wetter dies heute leider nicht zu.

Schlagartig besser wird es mit den darauffolgenden TOUCHÉ AMORÉ. Im Moment ist die Truppe einer der Hypes im intelligenten und düster-melodischen Hardcore-Umfeld. Dies liegt unter anderem sicherlich auch an dem Gitarrensound, den man eher bei alten JIMMY EAT WORLD oder TEXAS IS THE REASON vermuten würde als bei einer Band, die Hardcore spielt. Dieser kommt erstaunlich gut aus den Boxen und auch die anderen Instrumente klingen besser abgemischt als bei den beiden Gruppen zuvor. Zum ersten Mal gibt es heute auch ordentlich Bewegung auf und vor der Bühne. 19 Songs schafft es TOUCHÉ AMORÉ zu spielen, was bei einer durchschnittlichen Dauer von 80 Sekunden allerdings kaum verwundert. Gespielt werden die Hits der beiden Alben "...To The Beat Of A Dead Horse" und das aktuelle Meistwerk "Parting The Sea Between Brightness And Me" sowie ausgewählte Songs der unzähligen 7"-Veröffentlichungen. '~', 'Pathfinder', 'Adieux', 'Cadence', 'And Now It's Happening In Mine' sowie das abschließende 'Honest Sleep' sind die klaren Highlights der starken Setlist von TOUCHÉ AMORÉ. Nach 35 schweißtreibenen Minuten verabschiedet sich eine der heißesten Bands der Szene von der Bühne und macht den Weg für den Headliner frei.

Das erste Mal habe ich CONVERGE 2007 auf dem Vainstream Festival gesehen. Trotz der prallen Nachmittagssonne ging einiges vor der Bühne. Damals bestand das Publikum noch fast ausschließlich aus Leuten, die Hard- und Metalcore gehört haben. Fünf Jahre später sieht das Publikum schon anders aus. Mittdreißiger in Hemd, die üblichen Szenegänger und Metalheads stehen in den dichten Reihen vor der Bühne. Warum die Band so beliebt wurde war mir immer ein Rätsel. Es ist für mich schon schwierig ein Album der Jungs komplett zu hören und mehr als drei oder vier Mal im Jahr kann ich mich dazu nicht aufraffen. Allerdings war das aktuelle Werk "All We Love We Leave Behind" etwas erträglicher. Mit dem "Jane Doe"-Klassiker 'Concubine' eröffnen CONVERGE ihr Set ohne Showeinlagen wie ein Intro oder das herunter dimmen der Lichter. Schon von den ersten Sekunden an geht vor der Bühne einiges im Pit. Dies wird auch nicht weniger während die nächsten Abrissbirnen durch die Boxen schallen. CONVERGE selber haben wohl einen guten Tag erwischt und sind mächtig energiegeladen - zumindest Sänger Jacob Bennon springt die gesamte Show über von einer Bühnenseite zur anderen. Gespielt werden eigentlich nur Songs von den Alben "All We Love We Leave Behind", "You Fail Me", "Axe To Fall", "Jane Doe" sowie 'My Unsaid Everything' von "When Forever Comes Crashing". Leider gibt es also nichts von "No Heroes", welches für mich die beste CD der Krachmacher ist. Nach 'You Fail Me' verabschiedet sich das Quartett, kommt aber natürlich für eine Zugabe erneut auf die Bühne. Diese besteht aus dem lichten Dreierpack 'No Light Escapes', 'First Light' und 'Last Light'. Dann sagen CONVERGE nach 70 Minuten allerdings endgültig Tschüss. Für Fans mag dies sicherlich eine spitzenmäßige Show gewesen sein, ich allerdings war zeitweise etwas orientierungslos durch das ständige Geballer und die oft gleichklingenden und anstrengenden Songs. Ein drittes Mal CONVERGE wird es bei mir wohl nur unter Umständen geben, wenn das rechtliche Tourpakett stark genug ist.

Text © by Sebastian Berning