Heavy Metal Reviews

Location: Glückaufhalle, Duisburg

e-Trado GmbH

Shout It Out Loud Festival 2013

Heavy Metal Reviews

(5. April 2013) Ob es überhaupt eine vierte Auflage des Shout It Out Loud geben wird, war kurz nach dem dritten Festival eher fraglich. Nach Problemen mit der Halle in Mülheim/Ruhr musste man notgedrungen nach Wetter ausweichen und verärgerte einige Besucher mit nur einer Theke im Nebenraum und saftigen Wartezeiten vor selbiger. 2013 findet das Festival in Duisburg statt. Genauer gesagt in der Glückauf Halle. Größentechnisch nähert man sich wieder der Mülheimer RWE Halle an, zumindest was den Fußraum betrifft. Die zahlreichen Sitzplätze der RWE Halle hat man hier nicht. Die Galerie ist eh nur für die Besitzer der VIP-Karten und der Presse freigegeben. Aber es wird schon am frühen Abend deutlich, dass wieder mehr Zuschauer als letztes Mal dabei sind. Dies liegt sicherlich daran, dass man dieses Mal wieder einen richtigen Headliner aus den 80ern am Start hat. TESLA sind für Freunde des guten 80er Jahre Rocks keine Unbekannten. Klar, RATT-Sänger Stephen Pearcy war auch sehr gut beim dritten Mal, aber RATT hätten mit Sicherheit noch mehr begeistern können.
Bevor man die 'Modern Day Cowboys' aber zu Gesicht bekommt, sind andere Bands an der Reihe. Meine erste Truppe für heute ist BLACKRAIN. Die vier Franzosen absolvieren in Duisburg ihren ersten Gig in Deutschland überhaupt. Fans haben sie schon einmal hierzulande. Vor der Bühne ist es recht voll und es wird ordentlich zum Sleaze der Gruppe gerockt. Irgendwo zwischen alten CRASHDIET und PRETTY BOY FLOYD kann man den Sound von BLACKRAIN einordnen. Die wirklichen Knallersongs fehlen zwar noch, aber man kann sich die Show gut anschauen. Auch den ein oder anderen neuen Track vom bald erscheinenden dritten Werk. Sauer aufstoßen könnte manchem aber die extrem hohe und rotzig klingende Stimme von Sänger/Gitarrist Swan. Sonst machen unsere westlichen Nachbarn aber eine recht gute Figur als mein persönlicher Einstand des Festivals.
Die Briten von JETTBLACK machen da schon eine etwas bessere Figur. Vor den Brettern ist es zwar nicht unbedingt voller geworden, doch scheint das Publikum die Inseljungs etwas besser zu kennen. So wird man schon beim Betreten der Bühne mehr als ordentlich begrüßt. 'Get Your Hands Dirty' eröffnet die Show der Rocker. Soundtechnisch erinnert man etwas mehr an frühe VAN HALEN als an Glam der Marke MÖTLEY CRÜE oder POISON. Rocken kann das Quartett allerdings trotzdem. Man weiß schon jetzt wie man mit dem Publikum umzugehen hat und kann sicherlich den ein oder anderen neuen Fan gewinnen mit der energiegeladenen Performance. Highlights sind sicherlich die beiden letzten Nummern 'Two Hot Girls' und 'Raining Rock'.
Dann sind aber endlich H.E.A.T an der Reihe. Dass Sänger Erik Grönwall Sieger von Swedisch Idol war, muss man sicherlich nicht mehr erwähnen. Verdient hat der blonde Schwede dies allemal. Auch live macht der Mann stimmlich trotz schweißtreibender Performance eine sehr gute Figur. Schon beim kraftvollen Opener 'Breaking The Silence' trifft er alle Töne und tobt dennoch über die Bühne. Auch das Publikum ist nun endgültig wach. Besonders die jüngeren Fans kommen hier voll auf ihre Kosten. Der Schwerpunkt der Setlist liegt natürlich auf dem aktuellen Werk "Adress The Nation". Man spielt weitere Hits wie 'Heartbreaker', 'In And Out Of Trouble' oder 'Downtown'. Aber auch die ersten beiden Platten von H.E.A.T kommen zum Einsatz. 'Danger Road' kommt genauso zum Einsatz wie 'Straight For Your Heart'. Der hochmelodische Hard Rock der Schweden wird super von den Fans aufgenommen und zum ersten Mal kommt wirklich Stimmung vor der Bühne auf. Eine Stunde lang heizt die Band ihren Anhängern ein und legt den vielleicht besten Auftritt des Abends hin.
Etwas weniger poppig und melodisch gehen es THE QUIREBOYS an. Ihr Sound ist wesentlich Rock'n'Roll-lastiger und klingt eher nach den Südstaaten der USA als nach dem regnerischen UK. 'Tramps And Thieves' eröffnet das Set der Rockband. Sänger Spike ist natürlich das Aushängeschild der Gruppe und performance-technisch der Mittelpunkt und Blickfang. Selten hat jemand mit so viel Klasse den Mikroständer um sich gewirbelt wie der Mann mit dem Bandana auf dem Kopf. Seine Mitstreiter stehen da lieber im Hintergrund und müssen teilweise bei den neuen Songs der QUIREBOYS sogar die Noten vom Zettel ablesen. Den Schwerpunkt legte man -verständlicherweise- auf das Erfolgsalbum "A Bit Of What You Fancy". 'Hey You' fehlt genauso wenig wie das abschließende '7 O'Clock'. Ob ich persönlich jetzt eine Stunde Spielzeit gebraucht hätte, wage ich zu bezweifeln. Eine unterhaltsame Performance war dieser Auftritt aber allemal. Dem Großteil des Publikum, welches nach einer Zugabe verlangt, hat es gefallen.
Dann kommen endlich TESLA auf die Bühne. Mit 'I Wanna Live' von "Forever More" startet die Truppe ihren Auftritt. Sofort rockt das Publikum ordentlich ab. Leider tut es ihnen die Band nicht gleich. Der Saiten-Dreier von Frank Hannon, Brian Wheat und Dave Rude rockt zwar ganz nett und schmeißt sich hier und da in Pose, aber von Sänger Jeff Keith hätte man echt mehr erwarten können. Außer ein paar lahme Handbewegungen und sich im Hintergrund halten, wenn er nicht singt, macht er einfach zu wenig. Stimmlich ist er dafür gut unterwegs und es macht Freude Klassiker wie 'Hang Tough' oder 'Heaven's Trail (No Way Out)' zu hören.
Auch der ruhigere Mittelteil um 'Signs', 'What You Give' und natürlich 'Love Song' macht wirklich Spaß. Hier wird das Publikum auch das ein oder andere Mal zum mitsingen aufgefordert, was der sonst eher leblosen Performance von Jeff Keith etwas mehr Rock'n'Roll-Flair verleiht. Gerüchteweise soll der Gute etwas zu tief ins Glas geschaut haben. Belegbarer ist dafür sein zahnloses Stageacting. Das kann man auch ruhig zwei Mal erwähnen, einmal reicht einfach nicht. Immerhin ist genau dies der Schwachpunkt einer sonst eigentlich ziemlich guten Show. Auch wenn es gegen Ende bei 'Modern Day Cowboy' etwas besser wird, insgesamt hat Keith einfach zu wenig gebracht am heutigen Abend.
Dennoch ist die TESLA-Show keineswegs vergeudete Zeit. Diese Szene-Originale live zu erleben, ist schon ziemlich cool. Die Zugabe 'Little Suzi' beendet dann das knapp 80 Minütige Set und man verabschiedet sich, will aber schon nächstes Jahr für eine richtige Tour wiederkommen.
Organisatorisch lief die vierte Auflage des Shout It Out Louds absolut problemlos ab. Die Theke war groß und auch mit genug Personalversorgt. Die Wartezeiten waren also mehr als minimal. Dies sollte einige Kritiker vom letzten Mal besänftigen. Es gab auch einen großen Außenbereich, der genug Platz zum frische Luft schnappen bot. Auch dies war in Wetter nicht der Fall. Man scheint sich die Kritik wirklich jedes Mal zu Herzen zu nehmen und zu verbessern was zu verbessern ist. Jetzt kann man den Organisatoren nur noch eine feste Bleibe wünschen für ihr Festivalbaby.
Denn es steht bereits jetzt eine weitere Auflage fest. Am 30. November versammelt man sich in Bergheim. Erste Bands stehen auch bereits fest: VAIN geben sich erneut die Ehre. Besondere Bonbons sind LOVE/HATE und ENUFF Z'NUFF, die allesamt seit Jahren nicht mehr bei uns zu sehen waren. Abgerundet wird das bisherige Line-Up von den deutschen HOLLYWOOD BURNOUTS. Einen Headliner so wie zusätzliche Bands werden noch bekanntgegeben. Man darf sich aber schon jetzt gerne diesen Termin dick und fett im Kalender eintragen.

Text © by Sebastian Berning